Seit im Jahr 2015 die Techniker von Google Chrome erstmals den Begriff „progressive“ für technologisch moderne Apps nutzten, zählen Progressive Web Apps zur neuen Herausforderung der Webdesigner. Eigentlich sollte „progressive“ lediglich bedeuten, dass eine Web App die neuste Technologie eines Browsers unterstützt. Doch inzwischen scheinen Progressive Web Apps den allseits genutzten native Apps sukzessive den Rang abzulaufen.

Der Dschungel der mobilen Anwendungen: Web App, native oder hybrid App?

Um zu verstehen, was diese neuen Progressive Web Apps so besonders macht, sollte man zunächst einen Blick auf die bekannten mobilen Anwendungen werfen. Denn im Bereich der Web-Applikationen hat sich in den letzten Jahren viel getan.

Es ist tatsächlich 30 Jahre her, dass ein Informatiker des Kernforschungszentrums CERN sein erstes Konzept zum World Wide Web vorlegte. Seither präsentiert sich wohl jedes moderne Unternehmen mit eigener Website im Web. Dienten Websites früher ausschließlich der Informationsvermittlung, sind die Ansprüche heute weit höher. Hohe User Experience sollen sie bieten. Die ideale Customer Journey und intuitive Usability sind heute ebenfalls Standardanforderungen an eine gute Website.

Mit den Websites etablierten sich auch die Online-Shops. E-Commerce ist heutzutage ein riesen Thema, denn der Online-Vertrieb wächst rasant und verdrängt die lokalen Geschäfte langsam aber stetig aus den Innenstädten. Seitdem auch das Smartphone zum Alltag gehört, gilt es insbesondere für große Unternehmen, Angebote und Informationen immer und überall abrufbar zu machen. Und zwar so, dass der User im Handumdrehen genau das findet, was er sucht. native Apps

Die native App

Native Apps sind Web-Anwendungen, die entweder für das Betriebssystem iOS von Apple oder für das Betriebssystem Android entwickelt werden. Entsprechend laufen native Apps auch entweder auf dem einen oder auf dem anderen Betriebssystem. Wer für beide User-Gruppen interessant sein möchte, benötigt also zwei native Apps: Einmal für den App Store von Apple, einmal für den Play Store.

Für den User bedeutet dies, dass er bei Interesse an einer App diese zunächst auf sein mobiles Endgerät herunterladen muss. Die Voraussetzung dafür ist, dass er von der App weiß und bestenfalls ihren Namen kennt. Manche Apps sind recht groß und beanspruchen viel Speicherplatz. Ist die App dann allerdings installiert, bietet sie in den meisten Fällen ein gutes Nutzererlebnis und eine daraus resultierend hohe Kundenbindung.

Die Standard Web App

Eine Web App muss nur einmal entwickelt und programmiert werden. Sie läuft nämlich auf allen Betriebssystemen über den mobilen Browser. Beispiele für eine Web App sind Ebay.com oder auch Gmail.com. Sie lassen sich von jedem Endgerät nutzen, ihre Funktionsweise geht aber über die einer herkömmlichen Website hinaus.

Eine Web App benötigt keinen Download und muss nicht installiert werden. Sie ist eine als HTML5 programmierte Website, die das jeweilige Endgerät erkennt. Die Hauptseite lässt sich indexieren, sodass sie suchmaschinenrelevant ist und der User sie entsprechend auch findet. Darüber hinaus ermöglicht HTML5 die Speicherung der Daten und bietet dem Nutzer eine Offline-Verfügbarkeit der Inhalte.

Die hybride App

Sowohl die native App als auch die Web App bringen Vor- und Nachteile mit sich. Ein Aspekt ist die Kundenbindung. Während native Apps aktiv vom User heruntergeladen, teilweise bezahlt und bewertet werden, ist die Web App zwar immer verfügbar, aber deshalb auch schnell vergessen oder ausgetauscht.

Zudem bietet die native App den Vorteil, über Updates die Ansprüche der User direkt umzusetzen und damit stets aktuell, zeitgemäß und vertrauenswürdig zu sein. Demgegenüber erscheint die Nutzeroberfläche einer Web App manchmal verwirrend, weil es eine doppelte Menüführung (einmal für den Browser, einmal für die App) erfordert. Allerdings benötigt die Web App keinen Speicherplatz und ist auch ohne manuelle Updates immer aktuell. PWA

Die Lösung, um Vorteile aus beiden Web-Applikationen zu ziehen, sind die sogenannten hybriden Apps. Sie werden meist in der Programmiersprache Javascript entwickelt und schlagen sozusagen eine Brücke zum jeweiligen Betriebssystem. Mittels Framework lässt sich eine Web App in eine native App umwandeln und ist dann auch in App Stores herunterladbar.

Der Nachteil einer solch hybriden App ist die Performance. Je rechenintensiver und umfangreicher der Content der App ist, desto mehr lässt auch die Usability nach. Eine hybride App bleibt ein Hybrid. Dies bedeutet, dass sie weder für Android noch für iOS das optimale User Interfacedesign ermöglichen kann. Die klassischen UX- und UI-Elemente, für die die User Interfaces beider Betriebssysteme bekannt sind, kann eine hybride App nicht bieten.

Und was sind nun Progressive Web Apps?

Man könnte nun meinen, das dreierlei App-Varianten eigentlich ausreichen. Doch wie oben erwähnt, bezeichneten die Chrome-Programmierer ihren Anspruch an moderne Web Apps als „progressiv“. Das Wort „progressiv“ stammt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „fortschrittlich“.

Progressive Web Apps, kurz PWAs, sind von jedem User nutzbar, ganz gleich welchen Browser er verwendet. Auch sie sind responsive, passen sich also jedem Endgerät an. Entgegen der native Apps  und Web Apps sind die Informationen in PWAs offline verfügbar. Sind die Inhalte einmal geladen worden, sind sie im Cache. Progressive Web Apps benötigen keine manuellen Updates.

Was bei Standard Web Apps nur für die Startseite gilt, lässt sich bei PWAs vollständig nutzen. Der gesamte Inhalt wird von Suchmaschinen indexiert, was PWAs wiederum SEO-relevant macht . Darüber hinaus lassen sich Progressive Web Apps als Icon auf dem Startbildschirm von Smartphones und Tablets speichern, ohne dass sie aus einem App Store heruntergeladen werden müssen. Das Speichern auf dem Startbildschirm benötigt kaum Speicherplatz und der Inhalt ist offline nutzbar.

Wird die Zukunft der Apps progressiv?

Die Website bleibt ein Must-have für moderne Anbieter und Dienstleister, soviel steht fest. Für Unternehmen stellt sich jedoch die Frage, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Denn die Zielgruppe entscheidet darüber, ob eine native App erstellt, eine Standard oder eine Progressive Web App sinnvoll sein könnte.

Progressive Web Apps bieten eine echte Alternative für Anbieter, die immer und überall mobil von ihren Usern gefunden werden möchten. PWAs sind suchmaschinenrelevant, die Funktionen passen sich an die Leistungsfähigkeit des Endgeräts an und bieten die allseits erstrebte User Experience. Sie bieten zusätzliche Funktionen, die sonst nur bei einer native App zur Verfügung stehen, müssen aber nicht über einen App Store gesucht und installiert werden.

Letzten Endes steht wieder einmal der User im Fokus, wenn es um die Wahl der passenden App-Variante geht. So muss sich jedes Unternehmen die Frage stellen, ob eine App dem User überhaupt einen Mehrwert bieten kann. Progressive Web Apps sind sicherlich ein guter Weg, wenn es um die mobile Verfügbarkeit von Inhalten geht. Die Financial Times, die Washington Post und Booking.com nutzen inzwischen Progressive Web Apps, was zeigt, wie konkurrenzfähig diese verhältnismäßig junge mobile Variante ist. Ob sich Progressive Web Apps langfristig als echte Alternative zu native Apps durchsetzen werden, bleibt abzuwarten, scheint jedoch wahrscheinlich. User Experience

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