Das Manchester City Women RebrandingRebranding bezeichnet die grundlegende Neugestaltung des Markenauftritts eines Unternehmens, einer Organisation oder eines Produkts. Anders als ein einfaches Redesign, bei dem meist nur einzelne visuelle Elemente wie ein Logo oder eine Farbpalette aktualisiert werden, geht Rebranding typischerweise tiefer: Es verändert nicht nur, wie eine Marke aussieht, sondern auch, wofür sie steht, wie sie kommuniziert und wie sie von Kundinnen, Mitarbeitenden…
Weiterlesen: Rebranding setzt ein Zeichen im Sportmarketing. Zur Saison 2026/27 präsentiert der Klub gemeinsam mit dem Designstudio Nomad eine visuelle Identität, die sich klar vom Männerteam absetzt. Damit gilt Manchester City Women als erstes Team der Women’s Super League mit einem eigenständigen Markenauftritt.
Warum eine eigene Identität?
Die meisten Frauenteams übernehmen das Erscheinungsbild ihrer männlichen Pendants, weil das einfach, konsistent und vertraut ist. Manchester City geht bewusst einen anderen Weg. Anlass war der Erfolg der vergangenen Saison mit dem Double aus Meisterschaft und FA Cup. Zur neuen Spielzeit kehrt das Team außerdem in die UEFA Women’s Champions League zurück.
Nach Angaben des Klubs soll die neue Marke drei Ziele erfüllen: Sie soll die Ambitionen der Spielerinnen widerspiegeln, zur Bindung von Spielerinnen und Mitarbeitenden beitragen und das Team über bisherige Grenzen hinaus attraktiv machen. Der Klub selbst formuliert es so: „It reflects our ambition to build a stronger and more distinctive identity for the team and its supporters, celebrating our storied past and exciting future.“
Drei Fangruppen im Fokus
Am Anfang stand eine Zielgruppenanalyse. Sie ergab drei Gruppen: Anhänger, die zuerst das Männerteam verfolgen, Anhänger, die vor allem das Frauenteam unterstützen, und solche, die sich für beide gleichermaßen interessieren. Die zweite Gruppe ist jünger, überwiegend weiblich, oft familiär geprägt und umfasst viele Mitglieder der LGBTQ+-Community.
Sally Sheppard, Director of Marketing, Stadium Revenue and Fan Experience, beschreibt die Ausgangslage so: „It became really clear that we needed a more consistent way to tell the story of the women’s team.“ Zugleich habe man einen neuen Zugang zu einer neuen Welle von Fans im Frauenfußball gesucht: „We found that we needed to find a new and different way to connect with this new wave of women’s football fans.“
„It takes a city“ als Leitidee
Im engen Austausch mit Fans, Spielerinnen und Trainerteam entstand der Leitgedanke „It takes a city“. Er steht für Zusammenhalt, gemeinsamen Ehrgeiz und den gemeinsamen Glauben, der Spielerinnen, Mitarbeitende, Fans und Gemeinschaft verbindet. Nach Darstellung von Nomad ist er als verbindender Schlachtruf gedacht, der wachsendes Interesse in langfristige Treue verwandeln und die Kraft würdigen soll, die hinter jedem Sieg auf und neben dem Platz steht. Zugleich greift er den Pioniergeist Manchesters auf und soll Marke und Traditionen vom Spieltag in die Kultur tragen.
Wappen und Sky Blue bleiben zentral, damit die Verbindung zum Gesamtklub erhalten bleibt. Sheppard sieht darin die richtige Balance: „I think we’ve struck the right balance between connection and distinction.“ Ergänzend betont sie: „Man City Women is more than a football team. It’s a community, it’s a family.“
Das MCW-Monogramm als Herzstück
Neu ist ein MonogrammEin Monogramm ist ein Zeichen, das aus einem oder mehreren Buchstaben, meist den Initialen eines Namens, gebildet wird. Im Logodesign dient es als kompakte Kurzform einer Marke. Häufig spricht man auch von Initialenlogo oder Lettermark, wobei Lettermarks streng genommen Buchstaben nur nebeneinander setzen, während ein Monogramm sie zu einer grafischen Einheit verbindet. Die Buchstaben können ineinander verschlungen, gespiegelt, übereinandergelegt oder…
Weiterlesen: Monogramm aus den Buchstaben M, C und W, die ein durchgehender Schwung verbindet, der „Light Trail“. Es ist exklusiv auf das Team zugeschnitten und kann allein oder gemeinsam mit dem Wappen von Manchester City auftreten. Nomad sieht darin das erste eigenständige Symbol im Frauenfußball. Es erweitert den visuellen Spielraum auf Lifestyle-Bekleidung, Stadiongestaltung und die Geschichten der Spielerinnen.
Kreativdirektorin Natalie Doto von Nomad erklärt die Idee: „Inspired by City Women’s history of firsts, the monogram is a promise to light the path for others. It serves as a universal symbol, something anyone can recreate or sign up to.“ Der Ansatz ist bemerkenswert, weil das Zeichen bewusst nachzeichenbar und offen für die Community sein soll.
Eine Geschichte voller Premieren
Das Monogramm nimmt Bezug auf die Vereinsgeschichte. Manchester City war der erste englische Klub, der seinen Spielerinnen Vollprofistatus ermöglichte, das erste WSL-Team, das von weißen Shorts abrückte, und das erste Frauenteam mit Namensrechten am Stadion. Diese Premieren liefern die inhaltliche Begründung dafür, warum das Team ein eigenes visuelles Symbol verdient.
Grafiksystem und Typografie
Nomad bewahrte ikonische Elemente von Manchester City und erweiterte den Baukasten, damit er die Position des Teams und dessen ehrgeizige Haltung widerspiegelt. Das Grafiksystem spiegelt laut Studio den Spielstil der Mannschaft: Freiheit innerhalb einer klaren Struktur.
Aus Kippax werden zwei neue Schnitte
Auch die Typografie entwickelt sich weiter. Die Vereinsschrift Kippax wurde zu zwei eigens angepassten Schnitten ausgebaut, einer gestreckten Grotesk und einer gestreckten SerifenschriftEine Serifenschrift ist eine Schrift, deren Buchstaben an den Enden der Striche kleine Abschlüsse tragen, die sogenannten Serifen. Diese feinen Querstriche, Dreiecke oder Platten sitzen an den Strichenden der Buchstaben und verleihen dem Schriftbild eine optische Führung. Im Deutschen wird die Serifenschrift häufig Antiqua genannt, im Englischen heißt sie Serif. Das Gegenstück ist die serifenlose Schrift, auch Grotesk oder Sans…
Weiterlesen: Serifenschrift. Sie verleihen dem Auftritt eine eigene Kante, ohne die Verbindung zur Vereinsschrift zu kappen.
Farbwelt mit Energie
Sky Blue bleibt die Kernfarbe und sorgt für Wiedererkennung. Eine lebendige Sekundärpalette führt die Marke über die klassischen Vereinsfarben hinaus. Dazu kommen Grün, Pink, Violett, Elektroblau und Gelb, in Varianten auch Neon- und Chromtöne. Die vielfältige Palette soll die Stimmung am Spieltag widerspiegeln und dem Team mehr Persönlichkeit und Energie geben. Für Designer ist das ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine feste Leitfarbe mit einem flexiblen FarbsystemEin Farbsystem ist die Gesamtheit der Farben, die ein Unternehmen oder eine Marke innerhalb ihres Corporate Designs verbindlich einsetzt, zusammen mit den Regeln, nach denen diese Farben kombiniert und angewendet werden. Anders als eine einzelne Markenfarbe, etwa ein bekanntes Rot oder Blau, umfasst ein Farbsystem meist eine ganze Palette: Primärfarben, Sekundärfarben, Akzenttöne sowie abgestufte Varianten in Helligkeit und Sättigung. Kern…
Weiterlesen: Farbsystem kombinieren lässt.
Wo die neue Identität sichtbar wird
Der Auftritt läuft über digitale Kanäle und soziale Medien, über Startelf-Ankündigungen und Meilenstein-Posts bis zu Ticketkampagnen. Ein Werbefilm ist auf der Website, in der App und in den sozialen Netzwerken zu sehen.
Auch das Spieltagserlebnis im Joie Stadium wurde angepasst. LED-Banden und Videowände zeigen die neue Farbwelt, der „Big Blue Button“ zur Fanaktivierung wurde überarbeitet, und Fahnen sowie Gesichtsbemalung greifen die neue Palette auf. Merchandise und Trikotdesign nehmen ebenfalls Elemente der Identität auf. Die Einführung erfolgt über die gesamte Saison 2026/27.
Nomad: Erfahrung im Fußball
Das Designstudio Nomad hat bereits für die FA Women’s Super League, die FA Premier League, die Londoner Basisinitiative Hackney Laces und das Spiel Football Manager gearbeitet. Diese Erfahrung im Fußballumfeld zeigt sich in einem Auftritt, der Vereinstradition und neue Zielgruppen zusammenbringt.
Was Kreative daraus mitnehmen
Das Beispiel zeigt, wie sich Eigenständigkeit und Markenverbund vereinen lassen. Wappen und Kernfarbe sichern die Wiedererkennung, während ein flexibles Monogramm und eine erweiterte Palette Raum für eine jüngere, vielfältigere Zielgruppe schaffen. Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Erst kamen Forschung und Gespräche mit Fans, Spielerinnen und Trainerteam, dann die Gestaltung.
Für Markenverantwortliche in Sport, Kultur und Handel ist das Manchester City Women Rebranding damit ein lehrreiches Beispiel für Submarken mit klarem Profil. Es beantwortet die Frage, wie viel Nähe zur Muttermarke nötig ist und wie viel Abstand ein Team braucht, um eine eigene Geschichte zu erzählen.



