Fußballvereine entdecken die Typografie als Markenkern. Fulham FC zeigt, wie das aussehen kann: Der Londoner Club hat seinen Markenauftritt überarbeitet und stellt dabei eine eigene Schrift in den Mittelpunkt. Sie heißt FFC Original und geht auf handgemalte Beschriftungen im Stadion Craven Cottage zurück. Entwickelt wurde sie von der Agentur Music gemeinsam mit der SchriftgießereiEine Schriftgießerei, im Englischen Type Foundry, ist ein Unternehmen oder Studio, das Schriften entwirft, technisch produziert, vertreibt und lizenziert. Der Begriff stammt aus der Zeit des Bleisatzes, in der Buchstaben tatsächlich in Metall gegossen wurden. Heute entstehen dort digitale Fonts, doch das Selbstverständnis ist geblieben: Eine Schriftgießerei steht für Handwerk, Qualitätssicherung und die langfristige Pflege ihrer Schriftfamilien. Für die Gestaltung…
Weiterlesen: Schriftgießerei F37 Foundry.
Vom Stadionmauerwerk zur Schriftfamilie
Am Anfang stand der Ort selbst. Music untersuchte das Craven Cottage, laut den Berichten eines der traditionsreichsten Fußballstadien Londons, und fand dort handgefertigte Schriftzüge. Aus diesen Vorlagen entstand eine vollständige Schriftfamilie. Agenturchef Dave Simpson fasst den Ansatz so zusammen: „Craven Cottage gave us the answer.“ Und weiter: „The idea and the expression are the same thing.“
Die Idee ist also nicht nur Inhalt der Marke, sondern ihre sichtbare Form. Wer die Schrift sieht, sieht den Ort, aus dem sie stammt. Genau das macht eine Hausschrift für Vereine so wertvoll: Sie lässt sich nicht kopieren, weil ihre Geschichte fest in ihr steckt.

Neun Schnitte für ein Stadion
FFC Original gibt es in drei Breiten, Condensed, Standard und Wide, und jeweils in den Stärken Light, Regular und Bold. Das ergibt neun Schnitte, die ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen können, von dichten Informationen bis zu großen Claims. Im Einsatz zeigt sich das an Beispielen wie „We live by the river“, das die Lage des Vereins an der Themse aufgreift, oder an der Zeile „London’s Original Football Club, Est. 1879“.

Wo die Schrift im Alltag arbeitet
Eine Schriftfamilie beweist sich erst im Einsatz. Die Quellen nennen eine ganze Reihe von Anwendungen:
- Spieltagsgrafiken und Social-Media-Inhalte
- Programmhefte und Plakatwände
- Trainingskleidung der Saison 2026/27
- die digitale Saisonkarte und der Spielplan
- Wandmalerei, Merchandise und Bewegtbild
Auch die Kampagne zum Auswärtstrikot der Saison 2026/27 nutzt die Schrift, in einem Film im Stil der Neunzigerjahre mit bewusst respektlosem Ton.

Konsistenz und Beweglichkeit zugleich
Der Verein begründet den Schritt mit veränderten Erwartungen. Marketingdirektor Jack Burrows verweist auf das starke Wachstum des Clubs und auf sehr unterschiedliche Zielgruppen, von Stammfans über Neufans bis zu internationalem Publikum und Hospitality-Gästen. Eine Schriftfamilie mit klaren Regeln helfe dabei, „consistent, but also much more agile and expressive“ aufzutreten. Dave Simpson ergänzt, dass gerade die Herkunft die moderne Identität erzeuge: „the heritage is what creates the modern identity.“
Spannend ist der Kontext. Newcastle United hat zuletzt sein Wappen erneuert, Arsenal arbeitet mit einer eigenen Frakturschrift. Fulham geht einen anderen Weg und setzt weniger auf ein neues Zeichen als auf die Sprache der gesamten Marke. In den vorliegenden Berichten wird kein neues Wappen beschrieben.
Kritische Stimmen aus der Fan-Community
Nicht alle sind überzeugt, dass es sich um mehr als eine neue Schrift handelt. Ein Kommentator der Fan-Seite Fulhamish lobt FFC Original zwar als klug entwickelt, sieht aber eher „a new font“ als eine neue Markenidentität. Er kritisiert außerdem, dass der Wandel im Fußball von den Clubs ausgeht und nicht von den Fans. Für Gestalterinnen und Gestalter ist das ein hilfreicher Gedanke: Eine Schrift allein trägt keine Marke, sie braucht Gebrauch, Haltung und Konsequenz.

Was Marken daraus lernen können
Das Beispiel Fulham lässt sich auf viele Branchen übertragen. Wer einen Ort, ein Handwerk oder eine Firmengeschichte besitzt, findet dort oft das stärkste Gestaltungsmaterial. Drei Punkte sind besonders relevant:
- Herkunft ist keine Nostalgie, wenn sie in ein funktionierendes System übersetzt wird.
- Mehrere Breiten und Stärken machen aus einem Gag eine belastbare Gestaltungsgrundlage.
- Eigene Schriften schaffen Wiedererkennung über alle Kanäle, vom Programmheft bis zum Social-Media-Post.
Ähnlich argumentiert der VfL Wolfsburg mit seinem Zinnenwappen, und auch das Rebranding von Manchester City Women zeigt, wie stark Sportmarken inzwischen auf eigenständige Gestaltung setzen.
Fazit
Mit FFC Original macht Fulham ein Stück Stadionarchitektur zur Marke. Die Schrift ist kein Dekor, sondern Werkzeug für Kommunikation, Merchandise und Digitales. Ob sie eine ganze Identität trägt, entscheidet sich im Spielbetrieb der kommenden Saison. Als Fallstudie für gelungenes Corporate DesignCorporate Design bezeichnet das einheitliche, visuelle Erscheinungsbild eines Unternehmens oder einer Organisation. Es umfasst alle gestalterischen Elemente, mit denen eine Marke nach außen und innen auftritt: Logo, Farbwelt, Typografie, Bildsprache, Icons sowie die Gestaltungsregeln, nach denen diese Elemente auf Geschäftsausstattung, Werbemitteln, Verpackungen, Websites und in Bahnhöfen, Filialen oder Fahrzeugen angewendet werden. Ziel ist es, ein Unternehmen auf den ersten Blick…
Weiterlesen: Corporate Design aus dem Ort heraus taugt sie schon jetzt.



