Was ist neu in Adobe Firefly
Adobe hat seine KI-Suite Firefly um mehrere Funktionen erweitert, die vor allem eines gemeinsam haben: Sie sollen generative Bild- und Videobearbeitung im Kreativalltag praxistauglicher machen. Statt eines einzelnen großen Sprungs bringt das Update viele kleine, konkrete Verbesserungen für Fotografie, Videoproduktion und Prompt-basiertes Arbeiten.
Hintergründe aus Videoclips automatisch entfernen
Bislang war das Freistellen von Motiven in bewegten Bildern mühsam und erforderte oft manuelles Maskieren Bild für Bild. Firefly erkennt Motive in einem Videoclip nun automatisch und entfernt den Hintergrund über die gesamte Clip-Länge hinweg, ohne dass Nutzer:innen jedes einzelne Frame von Hand bearbeiten müssen. Für Social-Media-Content, Produktvideos oder schnelle Compositing-Aufgaben spart das spürbar Zeit.
Mehr Bildformate durch GPT Image 2
Bei der Bildgenerierung über das Modell GPT Image 2 stehen auf der Firefly-Weboberfläche und in Boards nun zehn Seitenverhältnisse zur Auswahl, zuvor waren es lediglich drei. Für Designer:innen, die Motive direkt für unterschiedliche Formate wie Story, Feed, Titelbild oder Print planen, entfällt damit ein zusätzlicher Zuschneideschritt.
Referenzbilder für Kling 3.0 Omni
Auch die Videogenerierung wird flexibler. Über das Partnermodell Kling 3.0 Omni lassen sich sowohl im Video-Generierungs-Tab als auch in Boards nun Referenzbilder einbinden, die den Look eines generierten Videos steuern. Kling 3.0 Omni ist als erweiterte Variante von Kling 3.0 konzipiert und bringt zusätzlich präzisere Szenenregie, native Dialoggenerierung für sprechende Figuren sowie konsistente Charaktere und Objekte über mehrere Einstellungen hinweg mit, laut Anbieterangaben bis zu sechs aufeinanderfolgende Shots in einem Durchgang.
Längere Prompts und ein zurückhaltender Assistent
Die Bild- und Videomodelle auf der Firefly-Weboberfläche unterstützen jetzt deutlich längere Prompts, sodass komplette Bildideen nicht mehr auf mehrere Anfragen aufgeteilt werden müssen. Parallel dazu wurde der Tonfall des Firefly AI Assistant überarbeitet: Er tritt weniger werblich auf und soll sich stärker auf die kreativen Ziele der Nutzer:innen konzentrieren als auf die eigenen Funktionen.
Firefly ganz groß: Der Auftritt am Times Square
Wie ernst Adobe sein KI-Werkzeug positioniert, zeigte sich Anfang September auch abseits der Produkt-Updates. Unter dem Titel Just Imagine bespielte Adobe 38 synchronisierte Screens über sechs Straßenblocks am New Yorker Times Square mit 392 eigens mit Firefly erstellten Bildern und Videos, insgesamt 3,8 Stunden Content. An 20 Selbstbedienungsstationen konnten Besucher:innen eigene Selfies in KI-generierte Bildwelten verwandeln und ihre Ergebnisse auf großformatigen LED-„Dream Boards“ sehen. Beteiligt waren neben Adobe-Mitarbeitenden auch 23 Content-Creator mit zusammengerechnet rund 90 Millionen Followern.
Adobe betont dabei, dass die komplette Aktivierung mit dem eigenen Werkzeug entstand: „The whole activation was built with Firefly, from first webcam click to final output. Every mood board, every billboard, every frame made with the same tools we build for everyone else.“
Was das für Kreative und Agenturen bedeutet
Für Designstudios und Marketingteams sind vor allem die praktischen Detailverbesserungen relevant: automatisierte Hintergrundentfernung senkt den Aufwand für Videoschnitt und Social-Content, mehr Seitenverhältnisse beschleunigen die Kanalanpassung von Kampagnenmotiven, und Referenzbilder bei der Videogenerierung geben Marken mehr Kontrolle über visuelle Konsistenz. Gerade Letzteres ist ein Punkt, an dem sich KI-gestützte Contentproduktion und Markenführung zunehmend berühren, wie auch der Beitrag zur Erosion von Markenkonsistenz im KI-Zeitalter beschreibt.
Einordnung: Wohin sich Firefly entwickelt
Das September-Update reiht sich in eine Serie von Erweiterungen ein, mit denen Adobe Firefly seit Monaten Schritt für Schritt zu einer umfassenden „Creative AI Studio“-Plattform ausbaut, von einem eigenen KI-Assistenten über agentenbasierte Workflows bis hin zur Erzeugung von Musik, Sprache und Soundeffekten. Auch außerhalb der eigenen Cloud-Anwendungen treibt Adobe diese Integration voran, etwa mit der direkten Einbindung von Photoshop-Funktionen in ChatGPT, über die designbote bereits berichtet hat. Für Kreative bedeutet das: Wer Firefly bislang nur für einzelne Bildgenerierungen genutzt hat, findet inzwischen ein deutlich breiteres Werkzeugset vor, das Bild, Video und zunehmend auch Ton in einem gemeinsamen Workflow zusammenführt.
Ob sich all diese Funktionen im Studioalltag durchsetzen, hängt am Ende davon ab, wie zuverlässig sie in bestehende Produktionsprozesse passen. Die Richtung ist jedoch klar: Adobe setzt nicht auf einzelne Showcase-Features, sondern auf eine kontinuierliche Serie kleinerer, alltagsnaher Verbesserungen, ergänzt um öffentlichkeitswirksame Auftritte wie den am Times Square, die zeigen sollen, dass generative KI längst im professionellen Kreativworkflow angekommen ist.


