Eine Schrift, die auf der Party feiert, bevor sie eingeladen wurde: So beschreibt das Schriftlabel TypeMates sein neues Release Rosco Jr. Die Geo-Grotesk von Jakob Runge ist wuchtig, knallig und unverkennbar laut. Dazu kommt ein Detail, das bei geometrischen Groteskschriften selten ist: eine variable Slant-Achse
Geo-Grotesk mit Hang zum Spiel
Rosco Jr verbindet humanistische Strichführung mit der klaren Anatomie einer Grotesk. Das Ergebnis wirkt freundlich, aber nicht brav. Als Vorbilder nennt TypeMates die ikonischen geometrischen Sans-Serif-Schriften der 1930er Jahre, deren Neuinterpretationen aus den 1960ern und Display-Schnitte der Fotosatz-Ära. Entwickelt wurde die Schrift 2026, beraten haben Igino Marini (iKern) und Sebastian Carewe (Italify).
Gedacht ist Rosco Jr vor allem für Headlines, Markenauftritte, Verpackungen und UI-Labels. Das erklärt den Charakter: Die Buchstaben sind kompakt, farbstark einsetzbar und halten auch in großen Graden die Spannung.

18 Schnitte zwischen Italic und Retalic
Die Familie umfasst 18 Schnitte. Sie verteilen sich auf sechs Gewichte von Thin über Light, Regular und Medium bis Bold und Black. Jedes Gewicht gibt es aufrecht, um 14 Grad nach rechts geneigt und um minus 14 Grad nach links geneigt. Die Neigung nach links nennt TypeMates Retalic.
Dank der variablen Slant-Achse lässt sich die Neigung stufenlos einstellen. Das eröffnet Layouts, in denen Text buchstäblich in Bewegung gerät. Wie flexibel variable Schriften sonst sein können, zeigt auch die variable Schriftfamilie Corsario, die auf ganz andere Einsatzzwecke zielt.

Warum die Rückneigung spannend ist
Nach rechts geneigte Schriften kennt jeder Gestalter. Eine nach links geneigte Variante setzt dagegen sofort einen Akzent. Im Satz entstehen Rhythmen, die ein klassischer Italic-Schnitt nicht liefern kann, etwa wenn einzelne Wörter einer Headline in Gegenrichtung kippen. Wer Aufrecht, Italic und Retalic mischt, bekommt allein aus einer einzigen Familie ein lebendiges Schriftbild, ohne zusätzliche Schriften einführen zu müssen. Das hält Layouts konsistent und spart bei Marken und Verpackungen Abstimmungsaufwand.
Viel Ausstattung unter der Haube
Mit mehr als 630 Glyphen pro Schnitt deckt Rosco Jr über 200 Sprachen ab, darunter Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Typografisch gibt es reichlich Spielraum. Stilistische Sets bieten unter anderem ein einstöckiges a, ein infantiles y, ein brutalistisches K, k und r, humanistische Alternativen für S und s, ein alternatives Q und eine oben gerundete 3. Außerdem sind eingekreiste Ziffern, Tabellen- und Proportionalziffern, Brüche, hoch- und tiefgestellte Ziffern, eine durchgestrichene Null, Ligaturen und Kerning enthalten.

Die Schrift ist als OTF und TTF für Desktop und Apps sowie als WOFF und WOFF2 für das Web verfügbar. Ein einzelner Schnitt kostet ab 50 Euro, die komplette Familie ab 380 Euro.
Farbe, Haltung und Rubbelbuchstaben
Zur Veröffentlichung zeigt TypeMates die Schrift in kräftigen Layouts mit satten Flächen in Gelb, Rosa, Blau, Orange und Grün. Ein Beispiel trägt den Satz, die Zukunft brauche mehr Farbe. Das passt zum Charakter der Schrift, die sich bewusst gegen graue Zurückhaltung stellt.

Für einen haptischen Gag sorgt eine limitierte Edition: Die ersten 30 Käuferinnen und Käufer der kompletten Familie erhalten Rubbelbuchstaben im Stil der klassischen Anreibebuchstaben gratis dazu. Das ist eine charmante Erinnerung daran, dass Schrift auch etwas zum Anfassen sein kann.

Für wen sich Rosco Jr lohnt
Wer Marken, Plakate, Verpackungen oder Interfaces gestaltet und auf Wiedererkennung durch Typografie setzt, findet in Rosco Jr ein auffälliges Werkzeug. Die Kombination aus kräftigen Gewichten, variabler Neigung und umfangreichen Alternativen macht die Schrift vielseitig, ohne ihren Charakter zu verlieren. Als Fließtextschrift ist sie dagegen nicht gedacht, ihre Stärke liegt in Schlagzeilen, Logos, Labels und kurzen, lauten Botschaften.




