Zwei Jahre nach der Vorstellung der neuen Markenidentität zeigt Jaguar erstmals, wie das Erscheinungsbild an einem Serienfahrzeug funktioniert. Am 6. Oktober 2026 feierte der Type 01 in New York seine Weltpremiere, ein viertüriger elektrischer Grand Tourer. Für die Designwelt ist dabei weniger das Auto interessant als das Erscheinungsbild, das es trägt: eine Wortmarke mit gemischter Schreibweise, ein Monogramm aus Messing und ein Muster aus horizontalen Linien. Der Sprung der Raubkatze verschwindet dabei nicht, er bekommt eine neue Rolle.

Vier Symbole des Wandels

Bekannt gemacht hat Jaguar die neue Identität im November 2024, die Pressemitteilung erschien am 18. November, sichtbar wurde der Auftritt einen Tag später. Die Marke spricht von vier Symbolen: Device Mark, Strikethrough, Exuberant Colours und Makers Marks. Zusammen sollen sie die Haltung Exuberant Modernism sichtbar machen, ein Gestaltungsprinzip, das Mut und Originalität in den Mittelpunkt stellt.

Der Leitsatz dazu lautet „Copy Nothing“ und geht auf Firmengründer Sir William Lyons zurück. Jaguar zitiert ihn mit den Worten, ein Jaguar solle die Kopie von nichts sein. Ergänzt wird er durch Claims wie „Delete Ordinary“ und „Live Vivid“.

Die Wortmarke als Signatur

Die Device Mark ist die neue Signatur der Marke. Jaguar beschreibt sie als Feier der Moderne mit geometrischer Form, Symmetrie und Schlichtheit. Der Schriftzug entstand in einer eigens entwickelten Schrift und mischt Groß- und Kleinbuchstaben: Fast alles ist klein gesetzt, nur G und U treten als Großbuchstaben auf. Die weit auseinandergezogenen, runden Buchstaben wirken ruhig und ähneln eher einer Galerie-Beschriftung als einem klassischen Automobil-Emblem.

Das Linienraster Strikethrough

Das Strikethrough ist eine kräftige lineare Grafik, die laut Jaguar Nachahmung und Gewöhnliches „durchstreichen“ soll. Gestalterisch handelt es sich um ein Raster aus feinen horizontalen Linien, das als Hintergrund, Muster und Wiedererkennungszeichen dient. Dadurch bekommt die Marke ein grafisches Element, das auch ohne Logo funktioniert.

Exuberant Colours: Primärfarben aus der Malerpalette

Farbe ist ein Grundpfeiler der neuen Identität. Als Bausteine dienen Gelb, Rot und Blau, die Primärfarben der Malerpalette. Sie erscheinen laut Jaguar immer mit Textur oder Bewegung, also nie als flache Fläche. Für Anzeigen und Film setzt die Marke Slogans in einer schlanken, hellen Schrift auf kräftig eingefärbte Bilder.

Gruppe von Models in Rot-, Gelb- und Pinktönen mit dem Schriftzug copy nothing
Bild: Jaguar Land Rover

Leaper und Monogramm als Makers Marks

Der berühmte Leaper bleibt erhalten. Jaguar nennt ihn Maker’s Mark, ein Zeichen der Herkunft, und hat ihn schmaler und kantiger gezeichnet. Zu sehen ist er vor allem als Prägung auf Messing, eingebettet in das Linienraster.

Gravierter Jaguar Leaper auf Messing, umgeben von horizontalen Linien
Bild: Jaguar Land Rover

Neu ist das Monogramm, von Jaguar auch Artist’s Mark genannt. Es setzt das J und das r von den gegenüberliegenden Enden der Wortmarke zusammen und fasst sie in einen Kreis. Die Form ist symmetrisch und soll wie der Schlusspunkt unter einem fertigen Werk wirken, ähnlich einer Künstlersignatur.

Monogramm aus J und r in einem Kreis, in Messing gefertigt
Bild: Jaguar Land Rover

Wie die Identität am Type 01 ankommt

Mit dem Type 01 verlässt das System erstmals die Präsentationsfläche. An der Front sitzt die Wortmarke als schlichte Plakette im Linienraster der Karosserie, daneben liegt ein schmales Lichtband. Statt eines großen Emblems trägt die Front vor allem Fläche und Linie.

Front des Jaguar Type 01 mit Wortmarke auf einer horizontal gerillten Fläche
Bild: Jaguar Land Rover

Auch das Strikethrough taucht an mehreren Stellen auf. Lamellen ziehen sich über Front, Heck und Dachkante und tragen die Grafik der Marke in die Form des Fahrzeugs. Schon bei der öffentlichen Namensgebung im Mai 2026 in Monaco erschien die Bezeichnung Type 01 auf diesem Linienelement. Der Name selbst folgt einer eigenen Logik: „Type“ verweist auf Vorgänger wie E-Type, die Null steht für null Emissionen vor Ort, die Eins für die erste Baureihe einer neuen Generation.

Detailaufnahme der gerillten Lamellen am Jaguar Type 01
Bild: Jaguar Land Rover

Weltpremiere in New York

Für den Reveal wählte Jaguar das STORIED in West Chelsea. Digitale Inszenierungen in Times Square, DUMBO und der Lower East Side begleiteten die Premiere, die Marke stellte sie als Auftakt einer neuen Ära vor. Die Schauspielerin Florence Pugh wurde als erste Markenbotschafterin vorgestellt. Zu sehen waren zudem Objekte rund um die Entstehung des Autos, darunter die erste Linie der Designer, als Aluminiumskulptur von der Decke gehängt. Im Hintergrund der Bühne stand die Wortmarke groß in Weiß auf Schwarz.

Jaguar Type 01 bei der Weltpremiere in New York mit Florence Pugh vor dem Wagen
Bild: Jaguar Land Rover

Zwischen Mut und Kritik

Die Vorstellung der Identität im November 2024 löste im Netz heftige Reaktionen aus. Viele Kommentare fanden, das doppelte J passe eher zu einer Handtasche oder einem Küchengerät als zu einem Sportwagen. Design-Autorin Sophie Tolhurst beschrieb die versprochene Zukunft der Marke damals als eher verwirrend denn visionär und vermisste einen erkennbaren Rückgriff auf die eigene Geschichte.

Dem steht ein klar aufgebautes System gegenüber. Wortmarke, Monogramm, Linienraster und Farbwelt sind aufeinander abgestimmt und tauchen vom Messingabzeichen bis zur Karosserie in derselben Formensprache auf. Der Leaper schlägt zudem eine Brücke zur Vergangenheit. Ähnlich zeigt sich bei anderen Marken, wie heikel Tiere im Logo sind: Bei Novo blickt der Stier jetzt nach rechts, bei Jaguar wird die Raubkatze zum Prägezeichen. Auch Wortmarken stehen derzeit im Wandel, etwa bei der neuen, fetteren Wortmarke von Apple Music.

Bestellungen für den Type 01 sollen Anfang 2027 möglich sein, die ersten Auslieferungen erwartet Jaguar in der zweiten Jahreshälfte 2027. Details zur Identität und zu den Fahrzeugdaten stellt Jaguar im Newsroom von JLR bereit.