Trustpilot hat seine Markenidentität überarbeitet und setzt dabei auf eine ungewöhnliche Idee: Nicht ein neues Logo steht im Mittelpunkt, sondern die Geschichten hinter den Sternen. Die Designagentur Further London hat für die Bewertungsplattform ein flexibles Gestaltungssystem entwickelt, das einzelne Stimmen zu einem größeren Gesamtbild zusammenführt. Für alle, die Markenauftritte gestalten oder verantworten, lohnt sich der Blick auf das Trustpilot Rebranding.
Der Stern bleibt, das System wächst
Nach den bisher vorliegenden Berichten kommt das Rebranding ohne neues Logo aus. Das zentrale Symbol bleibt der Stern, der als visuelle Kurzform für die Erfahrungen dient, die hinter Bewertungen stehen. Neu sind die Art, wie dieser Stern eingesetzt wird, und das System, das ihn umgibt. Chrys Naselos, Design Director bei Further London, beschreibt den Ansatz so:
„We transformed Trustpilot’s iconic star rating into the foundation of a distinctive, expressive design systemEin Designsystem ist eine zentrale, strukturierte Sammlung aus Gestaltungsregeln, wiederverwendbaren Bausteinen und Dokumentation, mit der Marken und digitale Produkte einheitlich gestaltet werden. Es legt fest, wie Farben, Schriften, Abstände, Symbole, Bilder und Layouts eingesetzt werden, und stellt diese Elemente so bereit, dass Teams sie direkt nutzen können. Anders als ein klassisches Corporate Design Manual ist ein Designsystem meist digital angelegt…
Weiterlesen: design system.“
Sinngemäß heißt das: Die bekannte Sternebewertung wurde zur Grundlage eines eigenständigen, ausdrucksstarken Designsystems. Aus einem Symbol wird damit ein Baukasten.
Blöcke, Layouts und Verhaltensregeln
Die Identität basiert auf einem flexiblen Zusammenspiel aus Blöcken, Layouts und Verhaltensregeln. Das Prinzip dahinter: Viele einzelne Stimmen ergeben zusammen ein Bild, das mehr erzählt als jede Bewertung für sich. Genau dieses Bild soll die Gestaltung sichtbar machen. Menschliche Geschichten rücken in den Vordergrund, Zahlen und Sterne bilden den Rahmen.

Trustpilot Sans als eigene Stimme
Typografisch setzt die Marke auf die Schrift Trustpilot Sans, die für Klarheit und Ausdruckskraft sorgen soll. Eine eigene HausschriftEine Hausschrift ist die Schrift, die eine Organisation oder Marke verbindlich in ihrer gesamten Kommunikation einsetzt. Im Englischen spricht man von Corporate Typeface oder Corporate Font, wobei Typeface streng genommen das Schriftdesign und Font die konkrete Schriftdatei bezeichnet. Sie ist ein zentraler Bestandteil des Corporate Designs und sorgt dafür, dass Drucksachen, Websites, Präsentationen und Beschilderung einheitlich wirken. Neben Logo, Farben…
Weiterlesen: Hausschrift ist bei Plattformen, die täglich sehr viel Text zeigen, ein naheliegender Schritt: Sie trägt Wiedererkennung auch dort, wo kein Logo zu sehen ist. Auch die Farbgebung wurde angepasst, konkrete Werte nennen die Berichte bisher nicht.
Fotografie mit Wärme und Ehrlichkeit
Die Bildsprache soll Wärme und Ehrlichkeit vermitteln. Das passt zu einem Geschäftsmodell, das auf Glaubwürdigkeit beruht. Wer Menschen zeigt, die tatsächlich etwas erlebt haben, unterstreicht den Kern der Marke besser als jede abstrakte Vertrauensformel.

Warum dieses Rebranding Gestaltern etwas lehrt
Das Beispiel zeigt, dass ein Rebranding nicht mit einem neuen Zeichen beginnen muss. Alex Smith, Creative Director bei Trustpilot, betont, das System wirke „unmistakably Trustpilot“, also unverwechselbar nach Trustpilot, und baue auf dem verdienten Vertrauen der Marke auf. Das ist ein Hinweis darauf, wie Evolution statt Revolution gelingen kann: Das Erkennungszeichen bleibt, die Anwendung wird mutiger.
Für Teams in Agenturen und Unternehmen ergeben sich daraus drei Fragen, die sich bei jedem MarkenrelaunchRebranding bezeichnet die grundlegende Neugestaltung des Markenauftritts eines Unternehmens, einer Organisation oder eines Produkts. Anders als ein einfaches Redesign, bei dem meist nur einzelne visuelle Elemente wie ein Logo oder eine Farbpalette aktualisiert werden, geht Rebranding typischerweise tiefer: Es verändert nicht nur, wie eine Marke aussieht, sondern auch, wofür sie steht, wie sie kommuniziert und wie sie von Kundinnen, Mitarbeitenden…
Weiterlesen: Markenrelaunch stellen lassen:
Welches Element der Marke ist so stark, dass es als Fundament eines ganzen Systems taugt? Wie viel Freiheit geben die Regeln den Anwendern, ohne dass die Marke beliebig wird? Und wie lässt sich Authentizität in Bild und Schrift so verankern, dass sie nicht nach Werbung klingt?
Einordnung: Systeme statt Einzelzeichen
Der Trend zu Designsystemen, die Marken über viele Kanäle tragen, setzt sich fort. Ein ähnlicher Gedanke zeigt sich beim Visa Rebranding mit V-Symbol und Visa Sans: Auch dort geht es darum, dass eine Marke in kleinen und fragmentierten Umgebungen erkennbar bleibt. Bei Trustpilot steht stattdessen das Erzählen im Vordergrund. Beide Wege eint die Erkenntnis, dass ein einzelnes Logo heute selten reicht.
Wie gut das System im Alltag funktioniert, wird sich an den Anwendungen zeigen, etwa auf der Plattform selbst, in Kampagnen und in der Kommunikation mit Unternehmenskunden. Die Grundidee, Bewertungen als Geschichten statt als reine Datenpunkte zu inszenieren, ist jedoch konsequent aus dem Geschäftsmodell abgeleitet.

Fazit
Das Trustpilot Rebranding von Further London ist ein Lehrstück für systemisches Rebranding: Der vertraute Stern bleibt, doch Schrift, Farbe, Bildsprache und Regeln machen aus ihm ein ausdrucksstarkes Werkzeug. Wer die Geschichten hinter den Sternen sichtbar macht, gibt der Marke ein Gesicht, ohne ihr Erkennungszeichen zu opfern.



