Wenn ein Open-Source-Werkzeug zur Plattform für KI-Agenten wird, muss sich auch sein Erscheinungsbild ändern. Genau das hat n8n getan. Das Unternehmen hinter der Workflow-Automatisierung hat Logo, Schrift und Farbsystem überarbeitet und das neue Branding auf der Konferenz „In The Loop“ vorgestellt. Jan Oberhauser, Autor des Begleitbeitrags, nennt die Änderung bewusst eine Verfeinerung: „This is a zhush, not a rebuild.“ Für Designerinnen und Designer lohnt der Blick in die Details, denn n8n hat sein Markensystem ungewöhnlich offen dokumentiert.

Vom Knoten zur Aktivität: das neue Logo

Das bisherige Logo basierte auf der Idee verbundener Knoten und stand für Workflows, die Dinge miteinander verknüpfen. Das neue Zeichen verschiebt den Akzent. Laut Oberhauser geht es „less about showing a connection and more about showing the activity that connection makes possible“. Die Marke soll den Weg von verbindenden Abläufen hin zu Systemen zeigen, die reagieren, sich anpassen und handeln.

Die Guidelines erklären den Aufbau genauer. Das Symbol steht für die Verbindungen zwischen Nodes, wobei die Nodes selbst im Negativraum liegen. Es gibt acht Verbindungspunkte und acht Nodes, eine Anspielung auf die Acht im Namen. Im Standard-Lockup steht das Symbol links neben der Wortmarke, beide sind auf einem gemeinsamen Raster ausgerichtet. Als Schutzzone gilt allseitig die einfache Symbolhöhe.

Praktisch durchdacht sind die Varianten. Das Symbol allein ersetzt das Logo bei Favicons, App-Icons, Stickern und Merchandise. Für Partnerschaften gibt es Lockups, bei denen das n8n-Logo links oder oben steht und ein Plus-Symbol, halb so hoch und breit wie das Symbol, beide Marken verbindet. Das Logo liegt zudem in Pink, Schwarz und Weiß vor, das vollständige Logo in vier Kombinationen. Mindestgrößen nennen die Guidelines bislang nicht. Wie sehr Logos heute wie Software gedacht werden müssen, haben wir in unserem Beitrag zu den Logo Design Trends 2026 beschrieben.

Farbsystem: Ein Pink, zwölf Grautöne, ein Sekundärspektrum

Bei der Farbe setzt n8n auf Kontinuität. Das Pink bleibt Kernfarbe und wurde leicht verfeinert, „but it is still very pink“. Im Farbsystem heißt es Accent und hat die Werte #FF91AC, RGB 255 / 145 / 172 und Pantone 183 C. Dazu kommen Core Black (#191919) und Core White (#FAFAFA) sowie zwölf Grautöne von Grey 10 (#F8F8F8) bis Grey 90 (#242424). Diese Neutraltöne bilden laut Guidelines das Fundament für jeden Touchpoint und zähmen das Pink.

Für Launches, Events, Kampagnen und Community-Inhalte gibt es zusätzlich Sekundärtöne aus dem Pink-Spektrum: helle Stufen von Pink 10 (#FFE8EC) bis Pink 30 (#FFBCCA) sowie dunkle Beerentöne von Pink 70 (#87003C) bis Pink 90 (#44001B). Alle Farben sind mit RGB-, CMYK- und Pantone-Werten angegeben, ein Plus für die Umsetzung in Print und Digital.

Spannend ist die Rollenlogik. Pink erfüllt vier Aufgaben: als Highlight für die Identität auf Logo, Grafikelementen und Objekten, als funktionale Farbe in der Produktoberfläche für Zustand, Hierarchie und Navigation, als Übergangsfarbe im Bewegtbild und als Atmosphäre bei Events und Installationen. Dazu kommen zwei Grafikmodi. Der Light Mode ist der Standard und die zugänglichste Variante, der Dark Mode die technischste, eingesetzt für Enterprise-Inhalte und Events. Beide verstehen die Guidelines als „not different brands but different registers of the same one“.

Drei Content-Karten im neuen n8n-Design: eine rosa, zwei dunkelgraue, jeweils mit dem Logo
Bild: n8n

Typografie: n8n Baumer als eigene Hausschrift

Auch die Typografie wurde erneuert. Das Ziel: technisch, aber nicht steril, präzise, aber nicht starr. Die Hausschrift heißt n8n Baumer und ist eine eigene Version der EK Baumer. Der Unterschied liegt im Detail: Das Standard-„a“ wurde durch das erste Alternativ-„a“ ohne Schwanz ersetzt, was dem Schriftbild einen charakteristischen Akzent gibt.

Die Schrift liegt als Variable Font in einer proportionalen und einer Monospace-Version vor. Technisch sind Gewichte von 400 bis 800 möglich, genutzt werden aber nur Regular (400) und Medium (500). Headlines setzt n8n in Medium, Fließtext in Regular, Daten und Labels in der Mono-Variante, die auch in Großbuchstaben als eigene Stufe vorkommt. Hierarchie soll über Größe und Platzierung entstehen, nicht über Farbe oder Dekoration.

Die Skala folgt dem Raster: Schriftgrößen und Zeilenhöhen sind Vielfache von 4 Pixel. Große Headlines haben einen engen Zeilenabstand, bei der größten Stufe (136) sind es 90 Prozent, bei Fließtext fällt er lockerer aus. Zwei klare Regeln helfen im Alltag. Große Headlines gehören einzeilig gesetzt, und kleine Headlines dürfen nicht in eine Ecke eines Panels rutschen, sondern sollen zentriert stehen, mit Rändern in Höhe der Versalhöhe.

Drei Plakate in einer Glashalle mit den Hinweisen New Logo, New Type und Same Pink
Bild: n8n

Raster und Grafikelemente: Das Produkt wird zur Marke

Das Gestaltungsraster arbeitet in Achterschritten, bei feinerer Kontrolle in Viererschritten. Die Spacing-Skala reicht von 4 über 8 und 12 bis 96 Pixel. Es gibt kein festes Spaltensystem, sondern ein modulares Raster aus gleich großen Einheiten, die sich kacheln und neu kombinieren lassen. Fotos und Illustrationen dürfen bewusst aus dem Raster ausbrechen. Auch Sonderfälle sind bedacht: Das Instagram-Format 4:5 mit 1080 × 1350 Pixel ist nicht durch 4 teilbar, daher empfehlen die Guidelines einen zusätzlichen Rand oder die Gestaltung in einer teilbaren Größe.

Drei Grafikelemente prägen das Erscheinungsbild, und alle stammen aus der Produktoberfläche. Das Punktraster, in Grau oder Pink und in zwei Dichten, trägt das Produkterlebnis in die Marke. Es wird nur in ganzen Rasterschritten skaliert und immer vom korrekten Ursprungspunkt aus gesetzt. Die Kapseln dienen als Label, Tag, Breadcrumb oder Navigation, entweder als verbindbare Nodes oder als technischere Crosshairs. Die Regeln dazu sind klar: kurze Labels statt ganzer Sätze, und eine pinke Kapsel mit schwarzem Text auf hellem Hintergrund, nicht weiß auf Pink vor dunklem Grund.

Haptik als Gegenpol: der Deboss

Als weicher Kontrast zu Raster, Punkten und Kapseln setzt n8n auf einen Prägeeffekt, den Deboss. Er bringt Tiefe, ohne Aufmerksamkeit zu binden, und hat vier Tiefenstufen: flacher bei kleinen, tiefer bei großen Anwendungen. Der digitale Effekt ist nur für digitale Assets gedacht. Im Druck wird das Papier physisch geprägt, ein digitaler Effekt auf gedruckten Materialien ist nicht zulässig. Die Haptik zeigt sich auch bei Merchandise, etwa beim rosa gestickten Symbol an einer schwarzen Cap.

Rosa gesticktes n8n-Logo am Verschluss einer schwarzen Cap
Bild: n8n

Warum die Marke jetzt nachzieht

Der Anlass ist laut Oberhauser strategisch. Agentische KI sei bei n8n kein nachträglicher Zusatz, sondern Teil der täglichen Nutzung. Mit dem Wachstum zu einem Unternehmen mit mehreren Produkten sollte die Marke diese Entwicklung widerspiegeln. Gleichzeitig soll der Kern bleiben: die Community der Builder, Verbindung, Kontrolle und Flexibilität, weshalb die Community Edition und die freie Modellwahl erhalten bleiben. Das GitHub-Repository des Projekts zählt laut Beitrag über 207.000 Sterne.

Bemerkenswert ist der Entstehungsprozess. An dem Projekt arbeiteten Menschen aus dem ganzen Unternehmen, die Führungsebene hinterfragte das Konzept, und Community-Mitglieder sahen frühe Versionen und gaben Feedback. Für Open-Source-Marken ist das ein sinnvolles Vorgehen, denn die Nutzer sind hier zugleich Botschafter.

Was Designerinnen und Designer mitnehmen können

Das n8n-Beispiel zeigt, wie ein Rebranding gelingen kann, ohne die Markenerinnerung zu verspielen:

  • Die Leitfarbe bleibt, damit Wiedererkennung nicht verloren geht.
  • Das Logo wird neu begründet, nicht nur neu gezeichnet.
  • Eine breite Neutralpalette und klare Rollen für Pink schaffen Struktur für viele Formate.
  • Rasterregeln und konkrete Do’s und Don’ts machen das System im Alltag anwendbar.
  • Die Community wird früh einbezogen.

Fazit

Das n8n Rebranding ist ein Beispiel für evolutionäres Markendesign: Logo und Schrift reagieren auf die neue Rolle der KI, Pink und Community bleiben. Die Marke zeigt weniger Verbindung und mehr Handlung, passend zu einem Produkt, das längst mehr kann, als Dienste zu verknüpfen. Und das Regelwerk dahinter ist so konkret, dass auch andere Teams davon lernen können.