Das neue Corporate Design der Universität Würzburg macht ein historisches Siegel zum Gesicht der Hochschule. Die Julius-Maximilians-Universität (JMU) ersetzt ihr über 20 Jahre genutztes klammerförmiges Logo durch ein kreisförmiges Zeichen. Entwickelt wurde der Auftritt gemeinsam mit der Agentur INTO Branding. Das Konzept trägt den Titel „Heritage“ und soll Herkunft und Zukunft der Universität verbinden.

Das Siegel von 1410 als Ausgangspunkt

Das neue Logo geht auf das erste Rektoratssiegel von 1410 zurück. Vereinfacht erscheinen darin vier Säulen, eine Figur, die für die Magistra beziehungsweise den Magister steht, und ein Buch, kombiniert mit der Wortmarke „Universität Würzburg“. Zeitlich liegen dabei zwei Daten auseinander: Die Universität wurde 1402 gegründet, das erste Rektoratssiegel, das als Vorlage diente, stammt von 1410. Auch das Universitätssiegel selbst wurde auf dieser Basis neu gezeichnet. In einer vereinfachten Form eignet es sich für Print und Web gleichermaßen.

Der Schritt vom Klammer-Logo zum runden Zeichen ist mehr als ein Stilwechsel. Ein Siegel signalisiert Tradition, Verlässlichkeit und Autorität, Werte, die für Hochschulen im Wettbewerb um Studierende, Forschende und Fördermittel zentral sind. Genau diesen Wettbewerb nennt die Universität als Hintergrund der Neuausrichtung.

Die Herausforderung bei einem Heritage-Konzept liegt darin, Geschichte nicht museal wirken zu lassen. Hier hilft die Reduktion: Statt eines detailreichen Wappens bleibt ein klares Zeichen mit wenigen Motiven, das auch in kleinen Größen funktionieren soll. Auf den Fotos steht das Siegel in einem warmen Rotton auf Blau, was ihm Kontrast und Wiedererkennbarkeit verleiht. Dass die Zahl 1402 sogar auf einem Hoodie auftaucht, zeigt, dass die Marke auch jenseits klassischer Medien funktionieren und Zugehörigkeit stiften soll.

Farbsystem, Hausschrift und Motto

Blau bleibt die Hauptfarbe der Universität. Zusätzlich erhält jede Fakultät eine eigene Farbe. So entsteht ein System, das Vielfalt sichtbar macht und trotzdem einheitlich wirkt. Die Roll-ups zeigen das Prinzip: Dasselbe Layout erscheint in Dunkelblau, Hellblau und Creme, jeweils mit dem Siegel in einem warmen Rotton.

Drei Roll-ups mit Logo, Siegel und dem Motto Wahrheit. Wissen. Wandel. Seit 1402
Bild: Kristina Heigl / JMU

Als Hausschrift kommt „Inclusive Sans UW“ zum Einsatz. Sie ist lizenzfrei und auf möglichst geringe Barrieren ausgelegt. Der Name erinnert an die Schrift Inclusive Sans, die laut Google Fonts als Textschrift für Barrierefreiheit und Lesbarkeit entworfen wurde. Eine lizenzfreie Hausschrift hat einen praktischen Vorteil: Alle Einrichtungen können sie ohne zusätzliche Kosten einsetzen, ein wichtiger Punkt bei einer so großen Organisation.

Neu ist auch das Motto „Wahrheit. Wissen. Wandel. Seit 1402“, ergänzt durch ein neues Leitbild. Der Bezug auf das Gründungsjahr 1402 verbindet den Anspruch der Universität mit ihrer langen Geschichte.

Lachender Mann in einem blauen Hoodie mit rotem Siegel und der Zahl 1402
Bild: Jonas Blank

Eine Dachmarke für alle Einrichtungen

Strategisch geht es um Einheit. Pressesprecherin Dr. Esther Knemeyer erklärt: „Wir möchten erreichen, dass alle Einrichtungen künftig unter der Dachmarke Universität Würzburg auftreten.“ Universitätspräsident Paul Pauli sieht in der neuen Markenidentität einen Gewinn für das Selbstverständnis: „Mit unserer neuen Markenidentität schaffen wir Wiedererkennung, Vertrauen und Zugehörigkeit.“

Vorausgegangen war ein Markenstrategieprozess mit Interviews, Workshops und Online-Befragungen. Beteiligt waren die Statusgruppen der Universität, außerdem Stimmen aus Stadt und Region, Wirtschaft, Medien und dem Universitätsklinikum. Das Universitätsklinikum Würzburg hatte seinen Auftritt bereits zuvor geschärft.

Frau hält ein Smartphone mit der Website der Universität Würzburg in der Hand
Bild: Kristina Heigl / JMU

Was das Konzept für die Praxis bedeutet

Ein Auftritt unter einer Dachmarke ist vor allem eine organisatorische Aufgabe. Wenn Fakultäten, Institute und zentrale Einrichtungen bisher mit eigenen Zeichen auftraten, braucht es klare Regeln, damit das neue Logo konsequent angewendet wird. Das Farbsystem mit je einer Farbe pro Fakultät kann dabei helfen: Es gibt den Einheiten Identität, ohne die gemeinsame Marke zu schwächen. Entscheidend wird sein, wie die Vorgaben im Alltag umgesetzt werden, von der Visitenkarte bis zur Forschungspublikation.

Auffällig ist zudem die Zweisprachigkeit. Auf den Roll-ups erscheint das Motto sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch („Truth. Knowledge. Change. Since 1402“). Das passt zu einer Universität, die sich international um Forschende und Studierende bewirbt. Die barrierearme Hausschrift ergänzt dies, weil sie Inhalte für möglichst viele Menschen zugänglich machen soll.

Was die Agentur sagt und was noch folgt

Florian Schubert, Geschäftsführer von INTO Branding, fasst den Ansatz so zusammen: „Logo, Siegel, Farben und Schrift machen die Tradition der JMU sichtbar und wirken dabei zeitgemäß und lebendig.“ Die ersten Anwendungen auf Fahnen, Roll-ups, Merchandise und im Web zeigen diesen Anspruch. Eine moderne neue Website soll in Kürze folgen. Sie dürfte der wichtigste Prüfstein werden, denn dort treffen Studieninteressierte, Forschende und Förderer täglich auf die Marke und erleben, ob Anspruch und Alltag zusammenpassen.

Für Gestalterinnen und Gestalter ist der Fall ein gutes Beispiel für Hochschul-Branding mit Tiefe: Ein historisches Motiv wird reduziert, ein Farbsystem schafft Orientierung, eine barrierearme Schrift sorgt für Zugänglichkeit. Wie sich Hochschulen dabei unterscheiden, zeigt auch der Start der Universität Augsburg mit neuem Corporate Design.