Die 100 wertvollsten Marken der Welt sind zusammen rund 3,9 Billionen US-Dollar wert, ein neuer Rekord. Das zeigt die Rangliste Best Global Brands 2026 von Interbrand. Für Kreative und Entscheider ist die Studie mehr als ein Ranking: Sie liefert Argumente dafür, warum Markenarbeit und Design gerade im Zeitalter der künstlichen Intelligenz an Gewicht gewinnen.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Der Gesamtwert der Top 100 liegt bei 3,866 Billionen US-Dollar, nach 3,575 Billionen im Vorjahr. Das entspricht einem Plus von 8,1 Prozent. Technologie bleibt der größte Werttreiber und macht rund 48 Prozent des Gesamtwerts aus. Apple führt die Liste erneut an, Google rückt auf Platz 3 vor. Nvidia steigt als neue Marke in die Top 10 ein, auf Platz 6, und legt beim Markenwert um mehr als 71 Prozent zu.

Gewinner und Verlierer

Deutlich unter Druck steht die Automobilbranche. Toyota bleibt als höchstplatzierte Automarke auf Rang 9, verliert aber fast 20 Prozent Markenwert. Tesla fällt um 25 Plätze auf Rang 50 und büßt knapp 38 Prozent ein. Entertainment löst Automotive als zweitwertvollsten Sektor ab, mit YouTube auf Platz 10 sowie Zuwächsen bei Netflix und Spotify. Im Luxussegment zeigt sich eine wachsende Spaltung: Hermès, Chanel, Cartier und Tiffany & Co. legen zu, andere Häuser haben das Nachsehen. Neu in der Liste sind Zurich, Hitachi, GE HealthCare und Hewlett Packard Enterprise.

Die Kernthese: Stärke allein reicht nicht

Der begleitende Report trägt den Titel „Back in Bloom“ und argumentiert, dass Marken wichtiger werden, weil KI technische Fähigkeiten leichter kopierbar macht. Gonzalo Brujó, Global CEO von Interbrand, formuliert es so:

„For years, strong brands could assume their reputation would carry them through difficult periods.“

Übersetzt: Jahrelang konnten sich starke Marken darauf verlassen, dass ihr Ruf sie durch schwierige Phasen trägt. Das reiche heute nicht mehr. Erfolgreich seien Marken, die Marke als Geschäftsinstrument nutzen und nicht nur als Aushängeschild.

„Iconic Moves“ außerhalb des Kerngeschäfts

Greg Silverman, Global Director of Brand Economics bei Interbrand, ergänzt:

„The brands that are growing the most have made Iconic Moves to operate in arenas outside of their core businesses.“

Gemeint ist: Die am stärksten wachsenden Marken wagen mutige Schritte außerhalb ihres angestammten Geschäfts. Wer das glaubwürdig tun will, braucht eine klare Identität, die über ein einzelnes Produkt hinausträgt.

Was das für Design und Branding bedeutet

Für Gestalterinnen und Gestalter lassen sich aus der Studie mehrere Folgerungen ableiten. Sie sind keine Aussagen von Interbrand, sondern eine Einordnung.

Erstens gewinnt konsistente Markenführung an Bedeutung, wenn technische Vorteile schneller verschwimmen. Wie schnell eine Marke ihre Linie verlieren kann, thematisiert das Interview mit Charles Nix, in dem es um Brand Drift und Brand Fidelity geht. Zweitens verlangen mutige Erweiterungen ein belastbares visuelles System, das in neuen Umfeldern wiedererkennbar bleibt. Aktuelle Beispiele sind die Neuaufstellung von Marken wie Visa mit V-Symbol und eigener Schrift oder der Amstel-Relaunch. Drittens wird Markenarbeit stärker an wirtschaftlichen Kennzahlen gemessen. Wer Design als Wertbeitrag darstellen will, sollte die Sprache der Markenbewertung verstehen.

Viertens zeigt die Verschiebung zwischen den Sektoren, dass Markenwert kein Selbstläufer ist. Wer seine Position hält, investiert in Relevanz, Erlebnis und ein erkennbares Auftreten über alle Kanäle hinweg. Genau dort setzen Corporate Design und Brand Design an.

Kritisch betrachtet

Markenwert-Rankings bilden eine Modellrechnung ab. Sie berücksichtigt Finanzdaten, die Rolle der Marke bei der Kaufentscheidung und die Markenstärke, ersetzt aber keine Einschätzung der gestalterischen Qualität. Eine hoch bewertete Marke kann visuell beliebig wirken, eine kleinere sehr präzise. Das Ranking taugt deshalb als Orientierung für Strategiegespräche, nicht als Gestaltungsmaßstab.

Fazit

Die Best Global Brands 2026 zeigen eine Wirtschaft, in der Technologie wächst, die Autobranche schrumpft und Marken sich neu beweisen müssen. Für Kreative lautet die Botschaft: Wer Identität, Haltung und Wiedererkennbarkeit sorgfältig aufbaut, schafft genau das Kapital, das KI nicht einfach kopieren kann.