In seinen Wurzeln geht dieser Begriff auf die lateinischen Wörter „creare“ und „crescere“ zurück. Creare bedeutet so viel wie „etwas neu schöpfen, erfinden oder erzeugen“. Crescere hingegen hat die Bedeutung von „geschehen und wachsen lassen“. Und genau diese Doppelschichtigkeit zwischen dem aktiven Tun und dem passiven Geschehen lassen, ist das, was die modernen Kreativitätskonzepte ausmacht. Kreativität ist also als Weg zu verstehen. Und jeder kreativ tätige Mensch weiß, dass, sowie der Kreativitätsprozess einmal begonnen hat, immer wieder die Gedanken darauf zurückfallen. Ganz egal, womit man sich gerade beschäftigt. Ein einmal angefangener Schaffensprozess lässt sich kaum aufhalten. Zu diesem Prozess gehören weder zu starkes analysieren und kritisieren. So wichtig Analyse und Kritik für die Fehlervermeidung sind, mit der Kreativität haben sie nicht viel zu tun. Einige Wissenschaftler sprechen von „Induktionssprüngen“. Gemeint sind damit Aktionen, Gedanken und Empfindungen, die einer vorherigen kreativen Tat entspringen. Ein Maler greift zum Beispiel zu einem Grünton. Erst wenn er dieses Grün vor Augen hat, entscheidet er sich als nächstes für gelb, worauf dann die nächste Farbe folgt. Eine Schriftstellerin lässt eine Person etwas sagen und erst dann fällt ihr die Antwort einer anderen Person ein, wodurch sich die Geschichte für einen Moment ändern kann. Kritik kann erst dann zulässig sein, wenn der eigentliche Schöpfungsprozess abgeschlossen ist. Nur das alles ist reine Theorie. Was kann man machen, wenn es einmal nicht so klappt mit der eigenen Kreativität, wenn Schreibblockaden sich nicht mehr so leicht aus dem Weg räumen lassen und wenn keine Ideen für neue Bilder mehr kommen wollen?

Deswegen sind hier 10 Tipps, die einfach und schnell nachvollziehbar sind:
Mit diesen Tipps können kreative Flauten oder auch schöpferische Dürrephasen beendet und eingefahrene Denkmuster aufgebrochen werden. Manchmal muss man sich aus gedanklichen Sackgassen lösen oder eine neue Perspektive einnehmen. Bei langfristiger Umsetzung können diese Tipps helfen, die eigene Kreativität auch langfristig zu steigern und das eigene kreative Potenzial besser zu nutzen. Wer diese Tipps regelmäßig anwendet, kann durchaus bald über einen größeren Ideenreichtum verfügen. Es ist dazu nicht mehr nötig, als ein wenig Ausdauer und etwas Geduld.

Kreativität

Tipp1: Schreiben Sie Morgenseiten
Mark Twain hat es uns vorgemacht und der Bestseller Autor Tim Ferris tut es noch heute: Morgenseiten schreiben. Und so wird es gemacht: Idealerweise setzt man sich morgens, also bevor man alle E-Mails gelesen hat, an einen angenehmen Platz und schreibt mindestens eine DIN A4-Seite. Jedoch nicht am Computer, sondern mit der Hand. Schreiben Sie über irgendetwas, was Ihnen gerade einfällt. Schauen Sie aus dem Fenster und beschreiben Sie die Welt dahinter, oder erzählen Sie vom Traum der letzten Nacht. Das Thema ist egal, denn es geht darum, sich einen freien Kopf zu machen und die Kreativität schon morgens anzuregen.

Tipp 2: Frei assoziieren
Manchmal ist einfach kein Ausweg zu finden. Man steckt bei einem Problem fest und kommt bei aller Mühe nicht weiter. Wenn es tatsächlich keinen Ausweg zu geben scheint, hilft es, gedanklich einen Schritt zurück zu gehen. Greifen Sie zu Stift und Papier und sammeln Sie alle Begriffe, die Ihnen in den Kopf kommen, wenn Sie eher etwas oberflächlich über das Thema nachdenken. Sie können das natürlich auch an einem Flipchart oder an einem PC tun. Wo und wie Sie immer möchten. Das ist das Gute an dem freien assoziieren.

Tipp 3: Rückwärts analysieren:
Manchmal hilft es, ein Pferd von hinten aufzuzäumen. Stellen Sie sich einfach einmal vor, Sie seien schon fertig und skizzieren Sie das Endergebnis Ihrer Arbeit. Ist es nicht ein gutes Gefühl, fertig zu sein mit dem ganzen Projekt?  Arbeiten Sie sich dann von diesem Ergebnis in Schritten zurück durch alle Phasen und Arbeitsschritte. Hier können Sie auch gerne Unterstützung hinzuziehen. Irgendwann sind Sie wieder dort angekommen, wo Sie Probleme hatten. Aber nun sehen Sie es aus einer ganz anderen Perspektive.

Tipp 4: Kreative Wanderung
Ja! Gehen Sie spazieren! Dieser Tipp beinhaltet sogar zwei Tricks zur Förderung Ihrer Kreativität: Visualisierung und Bewegung. Gehen Sie spazieren und schauen Sie sich markante Bäume, Gebäude oder andere Dinge an, um verschiedene Aspekte Ihres Problems zu visualisieren. Beziehen Sie dabei diese Markanten Punkte ganz bewusst mit ein. Sehr oft entwickeln sich dadurch ganz neue Ideen. Und gesund ist es auch noch!

Tipp 5: Seien Sie Kind
Kindliche Sichtweisen sind toll! Und auch in Ihnen steckt noch so viel Kind! Diese Sichtweisen dienen in erster Linie dazu, sich von traditionellem Denken und Voreingenommenheit zu lösen. Es ist nicht mehr und nicht weniger, als ein gedanklicher Reset-Button, durch dessen Betätigung Sie alles auf null setzen. Jetzt können Sie alle etablierten Prozesse hinterfragen. Ab jetzt nehmen Sie alles nicht mehr so leicht als gegeben hin, sondern fragen auch einmal ganz naiv nach den Gründen, warum etwas so sein soll und nicht anders. Und nicht selten werden Sie sich fragen: „Kann das weg?“

Tipp 6: Verlassen Sie ihre Komfortzone
Immer in der gleichen Umgebung zu arbeiten und immer den gleichen Rahmenbedingungen ausgesetzt zu sein, ist nicht besonders förderlich für die Entwicklung neuer Ideen. Begeben Sie sich einmal an ganz andere Orte. Das kann schon sein, wenn Sie einen anderen Arbeitsweg einschlagen.

Tipp 7: Nutzen Sie Tagträume
Ob nun ein Mittagsschlaf, ein Powernap oder ein paar ruhige Minuten in der Pause zum Tagträumen – nutzen Sie diese Zeiten, um einmal richtig abzuschweifen. Lassen Sie ihre Gedanken los und bauen Sie Luftschlösser. Tagträume sind ein hervorragender Ausgleichsmechanismus für unser Gehirn und sorgen dafür, dass unsere körpereigenen Kapazitäten und Ressourcen richtig genutzt werden. Beim Tagträumen geben Sie ihrem Gehirn seine nötige Freizeit. Somit bleibt es fit, um Informationen verknüpfen zu können und zur Mutter aller Einfälle mutiert.

Tipp 8: So wandeln Sie Frust in Kreativität
Wir alle müssen uns wohlfühlen, wenn wir kreativ tätig sein wollen. Deswegen halten wir Frust für die denkbar schlechteste Voraussetzung für unsere Arbeit. So denken wir. Aber denken wir da vielleicht falsch? Kann es nicht sein, dass auch unangenehme Erlebnisse oder Begegnungen Kreativität freisetzen? Dies untersuchten im Jahr 2008 zwei Forscherinnen der Harvard Universität. Sie simulierten Vorstellungsgespräche, die für einige Probanden sehr frustrierend ausgingen. Viele von ihnen verwandelten darauf ihren Frust in ein wahres Feuerwerk an Kreativität. Die Gründe dafür könnten sein, dass gerade die vernichtenden Urteile die Teilnehmer dazu veranlasste, noch intensiver an sich zu arbeiten, um das schlechte Feedback abzuschwächen. Oder sie wurden zu mehr Selbstreflexion motiviert, ohne die eine kreative Tätigkeit nicht möglich ist. Lassen Sie sich also nicht durch frustrierende Erlebnisse von Ihrem Schaffensdrang abhalten!

Kreativität

Tipp 9: Vorhandenes verbessern
Nein, es handelt sich nicht um Plagiate, wenn Ideen adaptiert und verbessert werden.  Wir alle kennen den Spruch, dass der Mercedes-Stern nicht zwei Mal entwickelt werden muss. Das wird sogar stimmen, denn bisher scheint diese Automobilfirma recht zufrieden mit ihrem Stern zu sein. Aber selten sind kreative Ideen nichts grundsätzlich Neues, sondern Kombinationen und Kompositionen des Bekannten, was so noch nie miteinander verbunden wurde. Deswegen sollten Sie sich nicht scheuen, auch einmal bekannte Kreationen zu imitieren und Ihre ganz persönliche Note, Ihre ganz eigenen Denkmuster einfließen zu lassen.

Tipp 10: Zukunftsträume
Nutzen Sie einmal eine ruhig Minute, lehnen Sie sich zurück und spinnen Sie einfach mal. Wie wird die Welt in 10, 20 oder sogar 100 Jahren aussehen? Was alles wird sich noch in welche Richtung verändern? Fragen Sie sich, welchen positiven Entwicklungen Sie vorbehaltlos folgen können. Malen Sie sich dann ganz persönliche Zukunftsgedanken aus. Und wenn Sie dann erkennen, welcher Weg zur Erfüllung dieser ganz persönlichen Visionen führen kann· haben Sie oftmals die Zukunft vergegenwärtigt. Hierbei handelt es sich übrigens um ein Phänomen, von dem Spitzensportler oft berichten.  Formulieren Sie dann Ihre Gedanken in einem Satz, einer Zeichnung oder auch in Musik aus.

Fotos: Karin Prinz