Pflegen und Reinigen mit einer Tablette – ‘Twenty’ ist Konzentration aufs Wesentliche.

Für De Bruijn ist Design ein Tool, um kritische Analysen und Untersuchungen über den Ideenstatus hinaus voranzutreiben und so funktionale, dabei dennoch elegante und attraktive Produkte zu entwickeln. Dabei spielen Materialien und Farben eine große Rolle, denn sie ist überzeugt, dass diese die Sinne am stärksten ansprechen, die es nun mal braucht, um Lösungen attraktiv zu gestalten. Deshalb erkundet sie auch gerne die Grenzbereiche zwischen Funktion und Ästhetik, um die optimale Balance zwischen beiden zu finden.

Mirjam de Bruijn (24) hat erst kürzlich die Design Academy Eindhoven mit ihren beiden Projekten Asana und Twenty  mit Summa Cum Laude abgeschlossen.

Mirjam De Bruin

Ihr Projekt ‘Twenty’ startete Mirjam de Bruijn als ihr aufgefallen war, wie stark das Volumen von Waschmitteln in den letzten 10 Jahren abgenommen hatte. Davon ausgehend begann sie zu forschen und entdeckte, dass fast alle flüssigen Haushaltsprodukte zu etwa 80% aus Wasser bestanden. 

Weniger Gewicht

Mit ‘Twenty’ will sie den Verbrauchern eine Alternative bieten, die nur die restlichen über 20% des wirklichen Produktes in fester Form in den Handel bringen würde; und das in Form von Kapseln, Tabletten oder Granulat. Zu Hause wird das feste Konzentrat dann in eine hochwertige, wiederverwendbare Flasche umgefüllt, und nach Zugabe von Wasser wie gewohnt benutzt.

Die Flaschen bei den Verbrauchern zu Hause wären von viel höherer Qualität als gewöhnliche Flaschen. Da Sie die Flasche nur ein einzige Mal und nicht etwa jeden Monat kaufen (wie z.B. konventionelle Shampooflaschen), braucht es nicht so viel Branding auf den Flaschen im Regal, um die Verbraucher zum Kauf des Produkts zu bewegen. Damit wirkt die Verpackung für das Trockenprodukt viel attraktiver und ist weniger problematisch für die Umwelt. 

Weniger Verpackung

Da die konzentrierten Produkte fest sind, können sie in simplen Verpackungen aus recyceltem Karton transportiert oder sogar in Zero-Waste-Shops verkauft werden. So ließen sich viel Kunststoffabfall und unnötige CO2-Emissionen einsparen. Zudem ließen sich CO2-Emissionen vermeiden, wenn weniger Wasser transportiert werden müsste.

Mirjam de Bruijn hat ambitionierte Pläne: “Ich hoffe, die Verbraucher so zu sensibilisieren, dass das Konzept ‘Twenty’ eines Tages zum Standard wird.”

Die Konzeptversion von Mirjam de Bruijn zeigt, dass zum Beispiel Spülmittelflaschen viel kleiner werden könnten. Erstens, weil viele heutzutage einen Geschirrspüler haben, und Geschirrspülmittel nur noch für Töpfe verwenden, die im Spüler nicht sauber werden. Zweitens sind manche Verbraucher einfach zu faul, eine hässliche große Flasche in der Küchenzeile zu verstecken und freuen sich über eine kleinere Flasche. Folglich würde die Flasche viel kleiner, stilistisch klarer und damit auch attraktiver als die konventionellen Flaschen.

DESIGNBOTE wollte es genauer wissen:

Miriam, das Konzept der Pads und Tabletten ist ja nicht so neu. Seit einiger Zeit gibt es auch konzentrierte Waschmittel. Was ist neu an Ihrem Ansatz?

“Korrekt. Und das haben wir schon bei Wasch- und Reinigungsmitteln gesehen, allerdings das sind eigentlich nicht die Produkte, auf die ich mich konzentriere. Ich konzentriere mich auf Produkte, bei denen wir den flüssigen Zustand gewöhnt sind. Wir haben uns zum Beispiel an den Komfort eines flüssigen Shampoos gewöhnt, denn Haare waschen mit einem Stück Seife empfinden viele Menschen als ziemlich unpraktisch. Was ich vorschlage, ist ein Produkt, das zwischen einem Shampoo und einem Stück Seife liegt. Eine Art Kapsel, in die sie selber ihr Wasser einfüllen, um schließlich wieder das gewohnte Produkt zu erhalten. Business to Business kennt man ja schon flüssige Seifenkonzentrate denen man Wasser hinzufügen kann. Und auch für die Endverbraucher gibt es einiges auf dem Markt. Was wirklich neu ist, sind die hochwertigen Flaschen, die man ein einziges Mal kauft und dann nicht mehr. Dadurch entsteht weniger Kunststoffabfall.”

Vielleicht möchte die Industrie ja gerade schrill bedruckte, möglichst große Verpackungen in den Regalen behalten, um mit den ebenso größenwahnsinnigen Produkten des Wettbewerbers konkurrieren zu können. Vielleicht sollte neben der Änderung der Einstellung des Kunden auch das Problem der Werbung – auch am POS – gelöst werden?

Die Frage ist nur, ob wir in Zukunft wirklich so viel Fläche für Werbung brauchen. Sie gibt immer mehr Dienstleistungen. ‘Twenty’ müsste ja nicht unbedingt im Supermarkt verkauft werden, das könnte aber auch ein Online-Dienst wie “One-Dollar-Shave” leisten.

Welche neuen Möglichkeiten sehen Sie in der Verpackungsgestaltung mit Schrumpfung/Feststoff? Was haben Sie bei Ihrem Designansatz optimiert?

Die Flasche, die Sie zu Hause haben und nur einmal gekauft haben, kann viel schöner und auch qualitativ viel besser sein. Sie kann beispielsweise analog zum Stil Ihres Badezimmers gestaltet werden und eben nicht auf der Basis von Regalpräsentation und Marketing. Denken Sie daran, was “Dopper” mit seinen Flaschen macht. Die Leute kaufen diese Flasche nicht nur, weil sie keine Wasserflaschen kaufen wollen, sondern auch weil sie schön und unverwechselbar ist.

Auch das Gewicht, das der Käufer nach Hause schleppen muss, kann ein Grund für den Kauf von’ Twenty’ sein. Doch was ist, wenn immer mehr Verbraucher online bestellen und nach Hause liefern lassen? Dann wäre vielleicht der Mangel an Stauraum in kleinen Wohnungen ein Argument…

Korrekt. Daran habe ich in meinen Entwürfen gedacht. Das Design sollte nicht nur für Menschen interessant sein, die super umweltbewusst sind, denn man braucht viel mehr Menschen, um eine wirkliche Veränderung herbeizuführen. Familien finden zum Beispiel das Thema Stauraum interessant. Und vielleicht bekommen Sie ‘Twenty’ per Post, dann passt  ‘Twenty’ problemlos durch den Briefkasten. Und dieser Service ließe Sie durch Personalisierung usw. noch viel persönlicher gestalten. All diese Trends zeichnen sich jetzt ab. Darüber hinaus könnte das Produkt auch für Reisende interessant sein, die nur die Mindestmenge an Waren mitnehmen wollen oder sie durch den Zoll bringen müssen. Da wäre eine viel kleinere Flasche nützlich. Durch Marktforschung hoffe ich herauszufinden, für wen das alles interessant sein könnte, um das Design der ersten realen Version daran anzupassen. Schließlich will ich möglichst viele Menschen ansprechen.

 Laut GreenBiz macht die Schifffahrt 90% des gesamten globalen Güterverkehrs aus und verursacht bis zu 4% der Gesamtemissionen. (Ich habe keine Zahlen für den Straßentransport) Aber vielleicht ist der Transport doch noch so lächerlich billig, dass es vorläufig noch egal ist, wie groß oder schwer ein Produkt ist?

 Ist auch richtig. Nur, die Gesetzgebung wird sich auch ändern. Und ganz bestimmt jetzt, wo rauskommt, dass man die Dinge ganz anders anpacken kann. Auch die Emissionen von Fabriken müssten reduziert werden. Denn wenn man zeigt, dass es anders geht, kann man auch mehr von der Industrie verlangen. Viele Menschen wissen auch gar nicht, dass so viel unnötiges Wasser transportiert wird. Und ‘billiges’ Wasser ist auch nicht für ewig sicher, nicht mal bei den Reserven, von denen wir jetzt zehren können.

Zudem sind Unternehmen wie Unilever und P&G immer noch alten Denkmustern verhaftet, sie haben natürlich genügend Transportbudgets und ändern sich nur, wenn es gar nicht anders geht. Deshalb erwarte ich von dieser Seite nicht viel Innovation. Veränderungen erwarte ich momentan eher von Start-Ups und Verbrauchern. Die setzen die Trends, denen die multinationalen Unternehmen letztlich folgen müssen.

 Sehen Sie Ihre’ Twenty’ -Produkte als eigenständige Marke oder als Konzept für alle Marktteilnehmer in einer Produktkategorie?

 Als Konzept, aber ein Konzept, das ich gerne weiterentwickeln würde!

 Haben Sie schon Reaktionen aus Industrie und Werbewirtschaft erhalten?

 Ja, im Moment suche ich nach der besten Herangehensweise und Strategie.

 Sie haben Ihre Prüfung in der Tasche und haben den HEMA-Preis gewonnen. Machen Sie weiter?

 Na klar!

 Mirjam, Designbote.com wünscht Ihnen viel Erfolg!

Twenty

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Designerin: Mirjam De Bruijn
Projekttitel: Twenty
Fotografin: Emke Rijerman