Instagram hat ein neues Logo. Zehn Jahre lang stand derselbe geschwungene Schriftzug über dem Feed, während darunter so ziemlich alles umgebaut wurde: Stories, Reels, Empfehlungen, Direktnachrichten. Nur die Wortmarke blieb unangetastet. Damit ist jetzt Schluss.
Instagram-Chef Adam Mosseri stellte die überarbeitete Version am 13. August 2026 auf Instagram und Threads vor. Sie sei cleaner and more modern, also sauberer und moderner, mit Bezügen zum Original und zu jener Einfachheit, die Instagram immer ausgemacht habe.
Was sich am Schriftzug ändert
Die neue Wortmarke bleibt eine Schreibschrift, wurde aber gewissermaßen geradegezogen. Die Schleifen sitzen enger, die Strichstärke ist kräftiger, das Ganze steht auf einem deutlich geometrischeren Gerüst. Die Buchstaben berühren sich weiterhin, doch die verspielten Schwünge konzentrieren sich nur noch auf drei Stellen: das s, das r und das g. Alles andere wirkt begradigt und liegt näher an einer Grotesk als an Handschrift.
Nicht geändert hat sich das App-Icon. Die Kamera mit dem pink-orangefarbenen Verlauf auf dem Homescreen sieht aus wie am Tag zuvor. Der Gradient bleibt laut Meta ein Kernbestandteil der Marke, wird im Gesamtauftritt künftig aber deutlich zurückhaltender eingesetzt.
Warum Meta die Wortmarke überarbeitet hat
Die offizielle Begründung ist pragmatisch: Nach über zehn Jahren war die Marke schlicht dran. Im Design-Blog von Meta schreibt das Team, man habe hunderte Richtungen durchgespielt, von Versalien über Kamera-Konzepte bis zu echter Handschrift, und sei am Ende wieder bei der Schreibschrift gelandet.
Jasmine Probst, Director of Product Design bei Instagram, begründet das so: Script reflects individuality, so referencing that felt right. Handschriftliche Formen stünden für Individualität, die neue Marke sei kräftiger und einfacher, mit einer Prise Unerwartetem. May Hartono, Director of Brand Design bei Meta, ordnet den Schritt in ein größeres System ein, das die Kreativität der Community stärker in den Vordergrund rücken soll.
Ein Markensystem mit drei Schriften
Die Wortmarke ist nur der sichtbarste Teil. Dazu kommen ein überarbeitetes Instagram Sans, eine neue Handschriftschrift namens Instagram Pen und ein Monospace-Schnitt, Instagram Mono. Motion, Layout und UI wurden ebenfalls aufgeräumt und bekommen mehr Weißraum. Damit rückt Instagram näher an das heran, was Meta zuvor schon bei Facebook und Threads umgesetzt hat.
Instagzam? Die Reaktionen im Netz
Mosseri hat unter seinem Post ausdrücklich nach Hot Takes gefragt, und die kamen. Innerhalb weniger Stunden sammelten sich tausende Antworten, und ein Gag setzte sich sofort durch: Das neue r lässt sich als z lesen. „Instagzam“ war noch am selben Abend ein Meme, mancherorts auch „Instagwam“. Andere vergleichen die geschwungene Form des s mit einem kleinen Segelboot.
TechCrunch weist auf einen hübschen Nebenaspekt hin: Schreibschrift wird in vielen Schulen kaum noch gelehrt. Für jüngere Nutzerinnen und Nutzer ist der Formenvorrat, aus dem die Marke schöpft, damit nicht mehr selbstverständlich. Wer nie Schnürlischrift gelernt hat, muss die Buchstaben erst dechiffrieren.
Die Designszene ist gespalten
Interessanter als die Memes ist, dass sich die Fachwelt nicht einig ist. Creative Boom beschreibt die Branche als ziemlich genau in zwei Lager geteilt. Ein Teil ist erleichtert, dass die etwas wacklige Kursive endlich aufgeräumt wurde. Der andere hält eine Marke, die halb Schreibschrift und halb Grotesk ist, für einen faulen Kompromiss.
Die schärfste Kritik kam von Ars Technica. Creative Director Aurich Lawson vergleicht die Anmutung dort mit Buchstaben aus Bildgeneratoren, also Formen, die fast wie Schrift aussehen, aber knapp danebenliegen. In Nutzerkommentaren tauchen zwei Vorwürfe immer wieder auf: generisch und austauschbar. Die alte Marke habe Wärme gehabt, die neue könnte zu jedem beliebigen Tech-Konzern gehören. Dazu kommt der Klassiker jeder Rebranding-Debatte: If it’s not broken, don’t fix it.
Jenseits des Geschmacks steht eine handfeste Frage im Raum: die Lesbarkeit. Mehrere Nutzer äußerten direkt nach dem Launch Bedenken zur Barrierefreiheit. Die gängigen Richtlinien regeln Kontrast und Schriftgröße recht klar, mehrdeutige, individuell gezeichnete Buchstabenformen fallen dagegen in einen Bereich, der sich nur durch Tests beurteilen lässt und nicht durch eine Kennzahl.
Einordnung und Rollout
Man kann dem Redesign zugutehalten, dass es die Aufgabe löst, die es sich gestellt hat. Der Schriftzug funktioniert in kleinen Größen besser, hat weniger optisches Rauschen und passt in ein System, das mit drei Schriftschnitten spürbar mehr Bandbreite bekommt. Der Preis dafür ist ein Stück Eigenheit, nämlich genau jene leicht unperfekte Handschriftlichkeit, die das alte Logo unverwechselbar machte.
Realistisch dürfte die Aufregung schnell abflauen. Instagram ist bekannt genug, dass niemand den Namen ernsthaft falsch liest, und der Umbenennungs-Gag hat eine Halbwertszeit von wenigen Tagen. Spannender ist die Frage, ob das Icon irgendwann nachzieht. Meta hat sich dazu bislang nicht geäußert, ausgeschlossen hat es das aber auch nicht.
Die neue Wortmarke wird ab sofort weltweit ausgerollt, das vollständige Markensystem folgt schrittweise über 2026 hinaus. Wer den neuen Schriftzug in seiner App noch nicht sieht, braucht also einfach etwas Geduld.
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