Der Goldene Schnitt ist ein Teilungsverhältnis, bei dem sich die Gesamtstrecke zur größeren Teilstrecke verhält wie die größere zur kleineren. Mathematisch ergibt das den Wert von etwa 1,618, die sogenannte Zahl Phi (Kehrwert: etwa 0,618). In Prozent ausgedrückt wird eine Strecke ungefähr im Verhältnis 38,2 zu 61,8 geteilt. Weil sich dieselbe Proportion wiederholt, wenn man das größere Teilstück erneut teilt, spricht man auch von stetiger Teilung.
Die Idee ist alt. Der griechische Mathematiker Euklid beschrieb die Teilung in seinen Elementen als Teilung nach „äußerem und mittlerem Verhältnis“. In der Renaissance machte Luca Pacioli das Thema mit seiner Schrift „De divina proportione“ bekannt, die Leonardo da Vinci illustrierte. Im 19. Jahrhundert popularisierte Adolf Zeising den Goldenen Schnitt als Grundgesetz der Schönheit, und im 20. Jahrhundert entwickelte Le Corbusier mit dem Modulor ein Proportionssystem, das auf ihm aufbaut.

Im Design dient der Goldene Schnitt als Orientierung für Proportionen. Im Layout lassen sich Spaltenbreiten oder die Aufteilung von Inhalts- und Randbereich im prozentualen Verhältnis von etwa 62 zu 38 anlegen. Bei Bildern wird der Horizont oder das Hauptmotiv gern entlang der Teilungslinien platziert. In der Typografie können Schriftgrößen, Zeilenabstände und Satzspiegel aufeinander abgestimmt werden, und im Logodesign wird das Verhältnis häufig zum Konstruieren von Kreisen und Rechtecken herangezogen. Eng verwandt sind das goldene Rechteck und die goldene Spirale, die aus ihm entsteht.
Eine enge Verbindung besteht zur Fibonacci-Folge. Teilt man in dieser Zahlenreihe eine Zahl durch ihren Vorgänger, nähert sich das Ergebnis dem Wert 1,618 an, je weiter man in der Reihe fortschreitet. Bei den ersten Zahlen schwankt es noch deutlich. Deshalb werden beide Begriffe im Designalltag oft vermischt, auch wenn sie nicht dasselbe sind.
Kritisch betrachtet ist der Goldene Schnitt weniger ein Garant für Schönheit als ein Hilfsmittel. Viele Behauptungen, er stecke in antiken Bauwerken, Gemälden oder menschlichen Gesichtern, lassen sich bei genauer Messung nicht belegen oder sind das Ergebnis nachträglich passend gezogener Linien. Auch Studien zur Vorliebe für das Verhältnis liefern keine eindeutigen Ergebnisse. Entscheidend ist daher, dass ein Entwurf stimmig wirkt, nicht dass er mathematisch exakt ist.
Als einfachere Alternativen kommen die Drittelregel, Modulraster oder ein Gestaltungsraster in Betracht. Die Drittelregel ist dabei eine pragmatische Annäherung: Sie teilt bei etwa 33 und 67 Prozent statt bei 38 und 62, was im Layout kaum auffällt. Diese Werkzeuge lassen sich leichter umsetzen und passen oft besser zu den Anforderungen von Bildschirm und Druck. Der Goldene Schnitt eignet sich vor allem als Ausgangspunkt für Proportionen, die anschließend mit Augenmaß geprüft und angepasst werden.
Für die Umsetzung gibt es mehrere Hilfsmittel. Viele Layoutprogramme und Browser-Tools bieten Überlagerungen mit goldenen Rastern, und in der Fotografie ist eine ähnlich arbeitende Variante, der sogenannte Phi-Raster, als Zuschneidehilfe verfügbar. Beim Konstruieren eines goldenen Rechtecks wird ein Quadrat abgetrennt, der verbleibende Rest ist wieder ein goldenes Rechteck. Wiederholt man den Vorgang, lässt sich daraus die Spirale zeichnen, die oft als Orientierung für Bildkompositionen dient. Im Alltag ist es sinnvoll, Proportionen nicht auf die dritte Nachkommastelle zu berechnen, sondern ein Verhältnis von ungefähr drei zu fünf oder fünf zu acht anzusetzen und das Ergebnis visuell zu prüfen.