Der Beschnitt, auch Beschnittzugabe oder Anschnitt genannt, ist der Bereich, der bei Druckdaten über das spätere Endformat hinausragt. Er sorgt dafür, dass Farben, Bilder und Flächen, die bis an den Rand einer Seite reichen sollen, nach dem Zuschnitt tatsächlich randlos erscheinen. Ohne ihn blitzen an den Kanten häufig schmale weiße Streifen auf.

Der Hintergrund liegt in der Produktion. Gedruckt wird in der Regel auf größere Bogen oder Bahnen, die anschließend maschinell geschnitten werden. Dieser Schnitt arbeitet mit Toleranzen von Bruchteilen eines Millimeters. Verläuft ein Hintergrund exakt bis zur Seitenkante, genügt eine minimale Abweichung, damit ein heller Rand sichtbar wird. Reicht die Fläche dagegen über das Endformat hinaus, wird die Abweichung im Beschnitt aufgefangen.

Schema mit Beschnittkante, Endformat und Sicherheitsabstand sowie Schnittmarken
Grafik: designbote.com

Üblich sind drei Millimeter Beschnittzugabe rundum, bei manchen Produkten wie Broschüren mit Rückenstärke, Großformaten oder Verpackungen sind abweichende Werte nötig. Die genauen Vorgaben nennt stets die Druckerei in ihrem Datenblatt. Als Elemente, die beschnitten werden müssen, gelten alle randabfallenden Objekte: Hintergrundfarben, vollflächige Fotos, farbige Balken oder Linien am Rand. Sie werden über die Endformatkante hinaus bis zur Beschnittkante verlängert.

Das Gegenstück ist der Sicherheitsabstand. Er ist nicht mit dem Satzspiegel zu verwechseln, der den gestalterischen Raum für den Haupttext festlegt, sondern eine produktionsbedingte Toleranz zum Endformat. Wichtige Inhalte wie Text, Logos und Telefonnummern sollen mit einigen Millimetern Abstand innerhalb des Endformats stehen, damit sie beim Schneiden nicht angeschnitten werden und optisch nicht zu nah am Rand sitzen. Üblich sind drei bis fünf Millimeter, je nach Produkt auch mehr. Im Druckdatenaufbau ergeben sich damit drei Ebenen: die Beschnittkante außen, das Endformat in der Mitte und der Sicherheitsbereich innen.

Zur Orientierung beim Zuschnitt dienen Beschnittmarken, auch Schnittmarken genannt. Diese feinen Linien in den Ecken markieren das Endformat und werden außerhalb des Beschnitts platziert. Viele Layoutprogramme erzeugen sie beim PDF-Export automatisch, ebenso lässt sich dort der Beschnitt als Dokumenteinstellung hinterlegen. Beim Export sollten Schnittmarken nur dann enthalten sein, wenn die Druckerei sie verlangt, denn viele Druckereien lesen die Format-Informationen im PDF selbst aus. Die Beschnittzugabe muss dagegen fast immer in den Daten enthalten sein, sonst lässt sich randlos nicht drucken.

Häufige Fehler sind ein vergessener Beschnitt, zu knapp bemessene Zugaben oder wichtige Texte, die zu nah am Rand stehen. Bei Bildern gilt es, Fotos von vornherein etwas größer zu platzieren, damit der Beschnitt aus echtem Bildinhalt besteht und nicht nur aus einem nachträglich gestreckten Randstreifen.

Der Beschnitt gehört damit zu den Grundlagen sauberer Druckdaten, zusammen mit ausreichender Auflösung, passendem Farbraum und eingebetteten Schriften. Wer ihn von Beginn an im Dokument anlegt, vermeidet teure Korrekturen und Nachdrucke.

Besondere Regeln gelten bei mehrseitigen Produkten. Bei Broschüren mit Rückenstichheftung schieben sich die inneren Seiten durch die Papierstärke nach außen, ein Effekt, der Verdrängen oder Kriechen heißt und beim Platzieren der Inhalte ausgeglichen werden muss. Bei Klebebindung hängt die Rückenbreite von Papierstärke und Seitenzahl ab, und im Bund geht durch das Anfräsen ein Teil der Innenseite verloren. Die Druckerei stellt dafür meist Vorlagen bereit. Bei Faltprospekten müssen Falze beachtet werden, damit Elemente nicht ungewollt in der Falz verschwinden. Bei Verpackungen und Etiketten kommen Stanzlinien hinzu, die als eigene Ebene im Dokument angelegt werden. Gerade bei Sonderformaten ist es sinnvoll, vor der Gestaltung ein Datenblatt oder eine Stanzvorlage anzufordern, damit Beschnitt, Falz und Sicherheitsabstand korrekt berücksichtigt sind.