Conviva ist eine serifenlose Schriftfamilie, die BarrierefreiheitBarrierefreies Design bezeichnet die Gestaltung von Inhalten, Oberflächen und Produkten, die für möglichst viele Menschen nutzbar sind, unabhängig von Seh-, Hör-, Bewegungs- oder kognitiven Einschränkungen. Im Englischen spricht man von Accessibility. Gemeint ist nicht nur eine Rücksicht auf eine kleine Gruppe, denn Barrieren entstehen auch situativ, etwa durch grelles Sonnenlicht auf dem Display, eine gebrochene Hand oder eine laute Umgebung.…
Weiterlesen: Barrierefreiheit nicht als nachträgliche Pflichtübung, sondern als festen Bestandteil guter Typografie versteht. Entwickelt hat sie der Schriftdesigner Julien Fincker für seine Foundry Fincker Font Cuisine. Ihr humanistischer Charakter wirkt freundlich und vertrauenswürdig, die ausgewogenen Formen sind auf gute Lesbarkeit und klare visuelle Kommunikation ausgerichtet.
Zusammen leben als Gestaltungsprinzip
Der Name ist ein Kunstwort und leitet sich vom spanischen „convivir“ ab, was „zusammen leben“ bedeutet. Genau diese Haltung steckt in der Schrift: Alle Menschen sollen Informationen aufnehmen können, unabhängig davon, wie gut sie sehen oder lesen. Gedacht ist die Schrift deshalb auch für Menschen mit eingeschränkter oder nachlassender Sehkraft, mit Lese- und Rechtschreibstörung oder mit Farbenfehlsichtigkeit.

Ausgangspunkt war der Gedanke, dass barrierefreies Gestalten kein Korsett aus Verboten ist. Viele Grundregeln decken sich mit dem, was ohnehin gutes Design ausmacht. Weiße Schrift auf gelben Flächen ist schwer lesbar und sieht zudem unschön aus. Design hat eine Funktion, nämlich Botschaften klar zu vermitteln, und von Barrierefreiheit wird im Kern nichts anderes verlangt. Natürlich braucht nicht jedes Projekt Barrierefreiheit, und der jeweilige Kontext zählt immer. Wo Inhalte aber für ein breites Publikum bestimmt sind, lohnt sich der Aufwand.

Zehn Schriftstärken und mehr als 1.369 Glyphen
Die Familie umfasst zehn Schriftstärken mit den dazugehörigen Kursivvarianten, insgesamt also 20 Schnitte. Mehr als 1.369 Glyphen bilden ein differenziertes typografisches System, das von Corporate DesignCorporate Design bezeichnet das einheitliche, visuelle Erscheinungsbild eines Unternehmens oder einer Organisation. Es umfasst alle gestalterischen Elemente, mit denen eine Marke nach außen und innen auftritt: Logo, Farbwelt, Typografie, Bildsprache, Icons sowie die Gestaltungsregeln, nach denen diese Elemente auf Geschäftsausstattung, Werbemitteln, Verpackungen, Websites und in Bahnhöfen, Filialen oder Fahrzeugen angewendet werden. Ziel ist es, ein Unternehmen auf den ersten Blick…
Weiterlesen: Corporate Design und redaktionellen Anwendungen über öffentliche Kommunikation bis hin zu Informations- und Leitsystemen reicht.

Nicht jede Strichstärke eignet sich gleich gut für barrierefreie Anwendungen. Sehr dünne Schnitte sind bei schlechtem Licht schwer zu erkennen, sehr dicke wirken auf manche Betrachter zu dunkel. Für zugängliche Gestaltung empfiehlt das Specimen deshalb Stärken zwischen Light und Extrabold.

Auch der Zeichensatz ist breit angelegt. Neben erweitertem Lateinisch gehören Kapitälchen, Ligaturen, tabellarische und Mediävalziffern, Brüche, hochgestellte und tiefgestellte Zeichen sowie 29 Währungssymbole zu den OpenType-Funktionen.


Barrierefreiheit im Detail
Die eigentliche Arbeit steckt in den Buchstabenformen. Jedes Detail wurde danach befragt, ob es unter erschwerten Bedingungen noch erkannt wird.
Ähnliche Zeichen klar unterscheiden
Untersuchungen zeigen, dass Buchstaben vor allem anhand ihrer oberen Hälfte erkannt werden. Deshalb sind etwa a, g und q in Conviva im oberen Bereich deutlich voneinander abgesetzt.

Ähnlich verhält es sich mit 1, I, l und i sowie B und 8 oder 0 und O. Diese Paare gelten als besonders verwechslungsanfällig. Wer jemals beim Augenarzt die kleinsten Zeichen entziffern musste, kennt das Problem.

Keine gespiegelten Buchstaben
Das Gehirn kennt gespiegelte Objekte aus dem Alltag und ignoriert die Spiegelung meist. Beim Lesen kann genau das zum Problem werden, vor allem bei Lese- und Rechtschreibstörungen. Conviva verändert deshalb gezielt Details bei b, d, p und q sowie bei 6 und 9.

Offene Formen, Punkte, Sporne und Ausläufer
Offene Endungen helfen, Buchstaben auch bei Unschärfe auseinanderzuhalten, etwa im Wort „ceo“.

Deutlich hervorgehobene Punkte erleichtern das Erkennen von i und j.

Abgewinkelte Sporne und verlängerte Ausläufer unterstützen die Unterscheidung von Zeichen wie n, b, f, y und t.

Grundstruktur für besseren Lesefluss
Verlängerte Oberlängen betonen Wortbilder, eine große x-Höhe verbessert die Lesbarkeit, und ein geringerer Kontrast der Strichstärken erleichtert die Wahrnehmung.

Einsatz in Print, Web und App
Ob im Druck oder auf dem Bildschirm: Conviva soll gestalterische Vielseitigkeit mit funktionaler Präzision verbinden. Die Mockups zeigen die Schrift in einem Magazin, auf einer Website und in einer Reise-App. Wer sich tiefer mit Kontrasten, Schriftwahl und gesetzlichen Vorgaben befassen möchte, findet im Beitrag zum barrierefreien Design eine verständliche Einordnung.



Der Designer Julien Fincker
Julien Fincker studierte Kommunikations- und Grafikgestaltung und sammelte Erfahrung in renommierten Agenturen und Designstudios, darunter im Grafischen Atelier Stankowski + Duschek. Heute entwickelt er in seiner eigenen Foundry sowohl Retail Fonts als auch maßgeschneiderte Schriftlösungen für Marken. Als gebürtiger Franzose sieht er Typografie und Kochkunst nah beieinander, denn beides verlangt Liebe zum Detail, Geduld und ein Gespür für die richtige Komposition.

So formuliert es Fincker selbst: „Wir als Designer sind verpflichtet, Informationen und Botschaften für möglichst alle Personen zugänglich zu machen.“
Verfügbarkeit und Rabatt
Conviva ist exklusiv bei Font Cuisine erhältlich, die Schrift lässt sich in Print und digital gleichermaßen einsetzen. Mit dem Coupon-Code „Conviva50“ gibt es bis zum 15. Januar 2027 einen Preisnachlass von 50 Prozent. Weitere Informationen und die Lizenzierung finden sich auf der Seite der Schrift.

