Conviva ist eine serifenlose Schriftfamilie, die Barrierefreiheit nicht als nachträgliche Pflichtübung, sondern als festen Bestandteil guter Typografie versteht. Entwickelt hat sie der Schriftdesigner Julien Fincker für seine Foundry Fincker Font Cuisine. Ihr humanistischer Charakter wirkt freundlich und vertrauenswürdig, die ausgewogenen Formen sind auf gute Lesbarkeit und klare visuelle Kommunikation ausgerichtet.

Zusammen leben als Gestaltungsprinzip

Der Name ist ein Kunstwort und leitet sich vom spanischen „convivir“ ab, was „zusammen leben“ bedeutet. Genau diese Haltung steckt in der Schrift: Alle Menschen sollen Informationen aufnehmen können, unabhängig davon, wie gut sie sehen oder lesen. Gedacht ist die Schrift deshalb auch für Menschen mit eingeschränkter oder nachlassender Sehkraft, mit Lese- und Rechtschreibstörung oder mit Farbenfehlsichtigkeit.

Zusammen leben in vier Sprachen gesetzt in Conviva, darunter convivir
Bild: Fincker Font Cuisine

Ausgangspunkt war der Gedanke, dass barrierefreies Gestalten kein Korsett aus Verboten ist. Viele Grundregeln decken sich mit dem, was ohnehin gutes Design ausmacht. Weiße Schrift auf gelben Flächen ist schwer lesbar und sieht zudem unschön aus. Design hat eine Funktion, nämlich Botschaften klar zu vermitteln, und von Barrierefreiheit wird im Kern nichts anderes verlangt. Natürlich braucht nicht jedes Projekt Barrierefreiheit, und der jeweilige Kontext zählt immer. Wo Inhalte aber für ein breites Publikum bestimmt sind, lohnt sich der Aufwand.

Großes weißes a der Conviva auf grünem Blattmuster
Bild: Fincker Font Cuisine

Zehn Schriftstärken und mehr als 1.369 Glyphen

Die Familie umfasst zehn Schriftstärken mit den dazugehörigen Kursivvarianten, insgesamt also 20 Schnitte. Mehr als 1.369 Glyphen bilden ein differenziertes typografisches System, das von Corporate Design und redaktionellen Anwendungen über öffentliche Kommunikation bis hin zu Informations- und Leitsystemen reicht.

Liste der Conviva Schnitte von Thin Italic bis Black Italic mit Hinweis auf empfohlene Strichstärken
Bild: Fincker Font Cuisine

Nicht jede Strichstärke eignet sich gleich gut für barrierefreie Anwendungen. Sehr dünne Schnitte sind bei schlechtem Licht schwer zu erkennen, sehr dicke wirken auf manche Betrachter zu dunkel. Für zugängliche Gestaltung empfiehlt das Specimen deshalb Stärken zwischen Light und Extrabold.

Vier Zeilen in unterschiedlichen Conviva Schnitten vor grünem Blatt, darunter Green Democracy
Bild: Fincker Font Cuisine

Auch der Zeichensatz ist breit angelegt. Neben erweitertem Lateinisch gehören Kapitälchen, Ligaturen, tabellarische und Mediävalziffern, Brüche, hochgestellte und tiefgestellte Zeichen sowie 29 Währungssymbole zu den OpenType-Funktionen.

Alphabet und Ziffern der Conviva mit rot hervorgehobenem a, u und Kaufmannsund
Bild: Fincker Font Cuisine
Tabelle der OpenType-Funktionen der Conviva neben einem grünen Blatt
Bild: Fincker Font Cuisine

Barrierefreiheit im Detail

Die eigentliche Arbeit steckt in den Buchstabenformen. Jedes Detail wurde danach befragt, ob es unter erschwerten Bedingungen noch erkannt wird.

Ähnliche Zeichen klar unterscheiden

Untersuchungen zeigen, dass Buchstaben vor allem anhand ihrer oberen Hälfte erkannt werden. Deshalb sind etwa a, g und q in Conviva im oberen Bereich deutlich voneinander abgesetzt.

Vergleich der Buchstaben a, g und q in einer anderen Schrift und in Conviva
Bild: Fincker Font Cuisine

Ähnlich verhält es sich mit 1, I, l und i sowie B und 8 oder 0 und O. Diese Paare gelten als besonders verwechslungsanfällig. Wer jemals beim Augenarzt die kleinsten Zeichen entziffern musste, kennt das Problem.

Vergleich der leicht verwechselbaren Zeichen 1, I, l, B, 8, 0 und O in anderer Schrift und in Conviva
Bild: Fincker Font Cuisine

Keine gespiegelten Buchstaben

Das Gehirn kennt gespiegelte Objekte aus dem Alltag und ignoriert die Spiegelung meist. Beim Lesen kann genau das zum Problem werden, vor allem bei Lese- und Rechtschreibstörungen. Conviva verändert deshalb gezielt Details bei b, d, p und q sowie bei 6 und 9.

Die Buchstaben b, d, p, q sowie die Ziffern 6 und 9 in Conviva
Bild: Fincker Font Cuisine

Offene Formen, Punkte, Sporne und Ausläufer

Offene Endungen helfen, Buchstaben auch bei Unschärfe auseinanderzuhalten, etwa im Wort „ceo“.

Unscharfes und scharfes Wort ceo in einer anderen Schrift und in Conviva mit offenen Formen
Bild: Fincker Font Cuisine

Deutlich hervorgehobene Punkte erleichtern das Erkennen von i und j.

Buchstaben i und j der Conviva mit stark hervorgehobenen Punkten
Bild: Fincker Font Cuisine

Abgewinkelte Sporne und verlängerte Ausläufer unterstützen die Unterscheidung von Zeichen wie n, b, f, y und t.

Buchstaben n, b, f, y und t der Conviva mit markierten Spornen und Ausläufern
Bild: Fincker Font Cuisine

Grundstruktur für besseren Lesefluss

Verlängerte Oberlängen betonen Wortbilder, eine große x-Höhe verbessert die Lesbarkeit, und ein geringerer Kontrast der Strichstärken erleichtert die Wahrnehmung.

Schriftzug Th Hx on der Conviva mit Hinweisen auf Oberlängen und große x-Höhe
Bild: Fincker Font Cuisine

Einsatz in Print, Web und App

Ob im Druck oder auf dem Bildschirm: Conviva soll gestalterische Vielseitigkeit mit funktionaler Präzision verbinden. Die Mockups zeigen die Schrift in einem Magazin, auf einer Website und in einer Reise-App. Wer sich tiefer mit Kontrasten, Schriftwahl und gesetzlichen Vorgaben befassen möchte, findet im Beitrag zum barrierefreien Design eine verständliche Einordnung.

Mockup eines Magazins namens plant mit Conviva als Schrift auf mintgrünem Hintergrund
Bild: Fincker Font Cuisine
Laptop mit einer Website zum Thema Regenwald, gesetzt in Conviva
Bild: Fincker Font Cuisine
Drei Smartphones mit einer Reise-App in Conviva auf mintgrünem Grund
Bild: Fincker Font Cuisine

Der Designer Julien Fincker

Julien Fincker studierte Kommunikations- und Grafikgestaltung und sammelte Erfahrung in renommierten Agenturen und Designstudios, darunter im Grafischen Atelier Stankowski + Duschek. Heute entwickelt er in seiner eigenen Foundry sowohl Retail Fonts als auch maßgeschneiderte Schriftlösungen für Marken. Als gebürtiger Franzose sieht er Typografie und Kochkunst nah beieinander, denn beides verlangt Liebe zum Detail, Geduld und ein Gespür für die richtige Komposition.

Porträt von Schriftdesigner Julien Fincker mit Brille und Bart vor dunklem Hintergrund
Bild: Fincker Font Cuisine

So formuliert es Fincker selbst: „Wir als Designer sind verpflichtet, Informationen und Botschaften für möglichst alle Personen zugänglich zu machen.“

Verfügbarkeit und Rabatt

Conviva ist exklusiv bei Font Cuisine erhältlich, die Schrift lässt sich in Print und digital gleichermaßen einsetzen. Mit dem Coupon-Code „Conviva50“ gibt es bis zum 15. Januar 2027 einen Preisnachlass von 50 Prozent. Weitere Informationen und die Lizenzierung finden sich auf der Seite der Schrift.