Ein Farbsystem ist die Gesamtheit der Farben, die ein Unternehmen oder eine Marke innerhalb ihres Corporate Designs verbindlich einsetzt, zusammen mit den Regeln, nach denen diese Farben kombiniert und angewendet werden. Anders als eine einzelne Markenfarbe, etwa ein bekanntes Rot oder Blau, umfasst ein Farbsystem meist eine ganze Palette: Primärfarben, Sekundärfarben, Akzenttöne sowie abgestufte Varianten in Helligkeit und Sättigung.
Kern eines jeden Farbsystems ist die exakte Definition jeder einzelnen Farbe über standardisierte Farbräume und Farbsysteme. Für digitale Anwendungen ist der RGB-Farbraum maßgeblich, wobei der HEX-Code lediglich eine hexadezimale Schreibweise derselben RGB-Werte ist und keinen eigenen Farbraum darstellt, für den Vierfarbdruck CMYK, und häufig kommen zusätzlich Pantone- oder HKS-Spezifikationen für Sonderfarben im Druck hinzu, etwa bei Logos auf Fahrzeugen oder Fassaden. Erst diese technische Präzisierung stellt sicher, dass eine Marke über unterschiedlichste Medien und Produktionsverfahren hinweg konsistent erscheint.
Mit wachsender Markenkomplexität, etwa bei Konzernen mit mehreren Einzelmarken, verschiebt sich die Funktion eines Farbsystems zunehmend von der reinen Wiedererkennung hin zur Flexibilität. Statt einer einzigen starren Farbkombination definieren moderne Farbsysteme häufig ein breiteres Spektrum erlaubter Töne, aus denen je nach Anwendungsfall, Zielgruppe oder Kommunikationskanal unterschiedliche Kombinationen gewählt werden können, ohne den Wiedererkennungswert der übergeordneten Dachmarkestatus: publish Eine Dachmarke ist eine übergeordnete Marke, unter der mehrere Produkte, Dienstleistungen oder Organisationseinheiten gemeinsam auftreten. Statt für jeden Bereich eine eigenständige Marke mit eigenem Namen und eigenem Erscheinungsbild zu entwickeln, bündelt eine Dachmarke die gesamte Vielfalt eines Unternehmens oder einer Institution unter einem einheitlichen visuellen und kommunikativen Dach. Das Prinzip lässt sich in nahezu jeder Branche beobachten. Unternehmen…
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Ein zentraler Treiber für die Erweiterung klassischer, oft auf wenige Farben reduzierter Farbsysteme ist die digitale Anwendung. Webseiten, Apps und Benutzeroberflächen benötigen deutlich mehr Farbabstufungen als ein gedrucktes Logo, etwa für Schaltflächen, Statusmeldungen, Diagramme oder unterschiedliche Hintergrundzustände einschließlich Dark Mode. Entsprechend enthalten zeitgemäße Farbsysteme immer häufiger systematisch abgestufte Farbskalen statt einzelner Fixfarben.
Auch Barrierefreiheit spielt bei der Gestaltung eines Farbsystems eine wachsende Rolle. Kontraste zwischen Schrift- und Hintergrundfarben müssen festgelegte Mindestwerte erreichen, etwa nach den Richtlinien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), damit Texte für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen lesbar bleiben. Ein gut dokumentiertes Farbsystem legt deshalb nicht nur fest, welche Farben existieren, sondern auch, welche Kombinationen aus Lesbarkeitsgründen zulässig sind.
Festgehalten wird ein Farbsystem in der Regel im Corporate-Design-Handbuch oder Brand Guide der jeweiligen Marke. Dort werden neben den Farbwerten auch Anwendungsbeispiele definiert, etwa welche Farbe als dominanter Hintergrund dient, welche für Text reserviert ist und welche Akzentfarben sparsam für Hervorhebungen genutzt werden dürfen. Diese Regeln verhindern, dass Gestalterinnen und Gestalter in unterschiedlichen Abteilungen oder Agenturen uneinheitliche Farbkombinationen verwenden.
Bei Rebranding-Prozessen großer Unternehmen gehört die Überarbeitung des Farbsystems meist zu den sichtbarsten Veränderungen. Häufig wird eine bislang eng gefasste Farbwelt um zusätzliche Töne erweitert, um mehr gestalterische Flexibilität für unterschiedliche Marken, Produktlinien oder Kommunikationsanlässe zu schaffen, ohne auf eine wiedererkennbare Basis aus ein oder zwei Leitfarben zu verzichten.
Besonders anspruchsvoll wird die Entwicklung eines Farbsystems bei Konzernen mit mehreren Einzelmarken unter einer gemeinsamen Dachmarke. Hier muss das System zugleich zwei Ziele erfüllen: Es soll den einzelnen Marken genug eigene Farbigkeit lassen, um sich voneinander zu unterscheiden, gleichzeitig aber durch gemeinsame Grundtöne oder wiederkehrende Gestaltungsprinzipien die Zugehörigkeit zur übergeordneten Marke erkennbar machen. Gelöst wird dieser Zielkonflikt meist über ein gestuftes System, das eine schmale gemeinsame Basis mit markenspezifischen Zusatzfarben kombiniert.