Stuart Semple

Patente auf Farben sind nichts Neues. Das edle und sündhaft teure Purpur war den Königen vorbehalten. Und schon der französische Aktionskünstler Yves Klein bestand auf der exklusiven Nutzung ’seines‘ Ultramarins Aktuell hüllt sich die ‚Blue Man Group‘ in dieses irre strahlkräftige Ultrablau mit der offiziellen Bezeichnung International Klein Blue (IKB). Langenscheidt obsiegte vor Gericht gegen eine Sprachschule, die keck Honig aus dem Wiedererkennungswert des typischen Gelbs saugen wollte. Wo immer Farbe sich als Trägerin typischer Markeneigenschaften nützlich macht, ist der Zoff nur eine Nuance weit entfernt.

Seit Monaten zanken die Künstler Anish Kapoor und Stuart Semple um zwei Pigmente. Eines davon, ‚Vantablack‘, 2014 von der britischen Firma Surrey Nanosystems für militärische Tarnzwecke entwickelt, hatte sich Kapoor zur exklusiven Nutzung gesichert. Die praktisch alles auffallende Licht schlicht verschluckende Substanz besteht aus mikroskopisch winzigen Nanoröhrchen aus Kohlenstoff.

Krachbunte Palette

Oberflächenfetischist Kapoor machte unter anderem mit monumentalen Skulpturen von sich Reden und tüftelt schon seit den 1970 Jahren mit Pigmenten. Seine über 100 Tonnen schwere, spiegelblanke Edelstahlskulptur ‚Cloud Gate‘ aus 2006 ist ein populärer Hintergrund für Selfies von Touristen. Die edelrostige, aus Elementen gefügte, lichtdichte Stahlblechskulptur ‚Memory‘ sorgt im Berliner Museum ‚Deutsche Guggenheim‘ für eine verstörend befremdliche Raumerfahrung. International hoch gehandelt und geschätzte 50 Millionen Euro schwer, konnte sich der Bildhauer die Rechte an ‚Vantablack‘ locker aus der Portokasse leisten.

Ganz schön schwarz: Semple’s ‚Blackest Black‘

Stuart Semple (36) als Verfechter einer umfassenden Commons-Idee künstlerischer Mittel missfiel dieses knickrige Exklusivgebaren. Ihm, der die Kunstschaffenden schon 2016 mit einem frei verkäuflichen ‚the world’s inkest pink‘ erfreut hatte, wurde es zu bunt und er konterte mit dem billigeren und einfacher anzuwendenden ‚Black V1.0‘. Zusammen mit dem grünsten Grün und dem funkelndsten Glitter sollten seine Pigmente für jeden verfügbar sein – außer natürlich für den fiesen Kollegen Kapoor, der sein Haar lustigerweise gern auch mal pink gefärbt hatte.

Leser dieser Zeilen sollten sich ruhig ein Pöttchen von Semple’s Megapink gönnen. Es liegt mit 3,99£ absolut im Taschengeldbereich und ist nur einen Klick entfernt.
Überflüssig zu erwähnen, dass die Krachfarben unter Schwarzlicht komplett zu explodieren scheinen, was man von des finstren Kapoor’s Black (wie auch Semple’s Version) wahrlich nicht behaupten kann. Wer immer Semple’s Pigmente kauft, muss indes unterschreiben, sie nicht etwa im Atelier des reichen Londoner Rivalen abzuliefern. Kapoor hat sich darob schwarz geärgert und zeigte dem Kollegen aus Dorset auf Instagram den Pinkefinger.

The Pinkest Pink