(© René Fietzek: v.l.n.r. AD Architectural Digest Chefredakteur Oliver Jahn mit Modedesigner Wolfgang Joop und AD Architectural Digest stellv. Chefredakteurin Dr. Simone Herrmann)

Es gibt etwas zu feiern im Hause Condé Nast: 20 Jahre AD Architectural Digest. Zwei Jahrzehnte Reisen durch die Welt auf der Suche nach einzigartigen Orten, brillantem Design, bedeutungsvoller Architektur und den Geschichten dahinter.

Etwas, was die Redaktion von AD seit der ersten Ausgabe 1997 immer wieder inspiriert hat, ist der Stil-Kosmos von Modedesigner Wolfgang Joop.
AD-Chefredakteur Oliver Jahn und seine Stellvertreterin Dr. Simone Herrmann haben den wandlungshungrigen Kreativen auf seinem Gut Bornstedt in Potsdam für eine Hausbegehung getroffen. Nach Stationen in Hamburg, New York und Berlin steht der 72-Jährige kurz vor seiner Rückkehr an den Ort seiner Kindheit. „Wolfgang Joop, dieser begnadete Komponist und Arrangeur seiner wild durcheinanderfliegenden Einfälle, ist tatendurstiger denn je“, so Oliver Jahns Fazit vom Zusammentreffen.

Untenstehenden Sie einige Auszüge aus dem Exklusiv-Interview mit Wolfgang Joop – das vollständige Interview und Impressionen aus Joops neuem Zuhause finden Sie in der Februar-Ausgabe von AD und online unter:
http://www.ad-magazin.de/article/wolfgang-joop

 

Auszug aus dem Interview mit Wolfgang Joop in der aktuellen Jubiläumsausgabe von AD

Sie haben bereits als kleiner Junge angefangen, Möbel zu sammeln. Kann Design, können Dinge trösten?
„Dinge? Nein. Es ist nur dieser kurze, euphorische Moment des Entdeckens, wie Pilzesammeln im Wald. Als Junge habe ich immer irgendwo etwas gefunden, was mich schweben ließ, eine Rocaille oder ein alter Stuhl (…) Überhaupt bin ich nur meinen Gelüsten gefolgt. Dass ein Bild gut ist, ein Design schlecht, darüber befinden Leute, die sich verabredet haben.“

Gibt es eine Zeit, die Sie gern zurückholen würden?
„New York Ende der 70er. Wenn ich mir den Film von Spike Lee, „Summer of Sam“, anschaue, rieche ich das wieder! Die Hitze von New York, der geschmolzene Asphalt, diese enthemmte Sexualität!“

Ist Berlin mit dem New York von damals zu vergleichen?
„In New York war ich gar nicht bereit, clean zu sein, jetzt ist die Nüchternheit meine Droge. Und deshalb muss ich es hier mal sagen: Es gibt diesen Berlin-Stil überhaupt nicht, von dem die Leute alle reden, nur dieses permanente Selbstverliebtsein in Berlin: Alle waren wir David Bowie – und wir waren eben nicht David Bowie.“

Mode und Deutschland. Ist das immer noch ein Gegensatz?
„Wir haben keine Tradition, kein Idol, keine Vergangenheit. Die Mode ist hier an dieser unglaublichen Style-Sicherheit der Nazi-Zeit zugrunde gegangen.“

Wie würden Sie das Charisma Ihrer Looks beschreiben?
„Mich interessiert die Souveränität des schönen Menschen im Umgang mit Klamotten, die einzeln irgendwie verstörend sind.“

Das klingt nicht gerade massentauglich.
„Fashion ist Snobismus, eine Reaktion auf die Massengesellschaft. Das war sie schon immer. Erfolgreiche Verführung ist das Sich-Entziehen. Nicht das Sich-Anbieten. Das ist unser Problem heute. Alles schreit hier, entblößt sich. Porno ist die Ästhetik des Mainstreams. Aber wo Porno ist, gibt es keine Liebe. Fashion schenkt dir die Möglichkeit, aus dem Alltag zu fliehen.“

Machen Sie sich heute mehr Gedanken als früher?
„Ich frage mich schon, ob ich in einer Zeit äußerster Übersättigung und äußerster Armut noch das Recht habe, Nerze umzubringen.
Es ist ja doch nur dieser Moment! Es ist wie Ballett – die armen Füße, so geschunden, und dann: dieser Augenblick da oben!“