Joris Laarman for MX3D, »Bridge Project«, 2015 | Von Robotern 3D-gedruckte Fußgängerbrücke © Joris Laarman Lab

Ob Lieferdrohnen, intelligente Sensoren oder Industrie 4.0 – seit einigen Jahren hält die Robotik Einzug in unser Leben und verändert unseren Alltag grundlegend. Dabei spielt Design eine zentrale Rolle, denn es sind Designer, die die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine gestalten. Vom 11. Februar bis 14. Mai 2017 präsentiert das Vitra Design Museum eine große Übersichtsausstellung, die den aktuellen Boom der Robotik erstmals eingehend untersucht. »Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine« umfasst mehr als 200 Exponate aus Design und Kunst, darunter Roboter aus dem Wohn- und Pflegebereich und der Industrie, aber auch Computerspiele, Medieninstallationen sowie Beispiele aus Film und Literatur. Die Ausstellung zeigt, wie vielgestaltig Robotik heute ist. Zugleich weitet sie den Blick für die ethischen, sozialen und politischen Fragen, die damit verbunden sind.

Im letzten Jahrzehnt hat die Robotik mit der Digitalisierung eine radikale Neudefinition erfahren. Roboter bauen nicht mehr nur Autos und Waschmaschinen oder transportieren uns in selbstfahrenden Zügen von einem Flughafenterminal zum anderen, sondern treten nun in verschiedensten Formen in Erscheinung – von kommunizierenden Haushaltsgeräten, dem sogenannten Internet der Dinge, bis zu selbstlernenden Algorithmen in Computerprogrammen, kurz Bots genannt. Während die Robotik früher eine Domäne von Ingenieuren und Computerexperten war, wirken heute Designer prägend am aktuellen Boom der Robotik mit. Denn oft entscheiden sie, wie und wo wir Robotern begegnen, welche Beziehung wir zu ihnen aufbauen und wie wir mit ihnen interagieren – oder sie mit uns.

Die Ausstellung »Hello, Robot.« nähert sich dem Roboter in vier Schritten. Im ersten Teil der Ausstellung geht es um die alte Begeisterung der Moderne für den künstlichen Menschen und darum, wie die Populärkultur unser Verständnis von Robotern geprägt hat. Im zweiten Teil geht es um jenen Bereich, in dem die Robotik ihren Durchbruch erlebte: Industrie und Arbeitswelt. Während der Roboter in diesem Kontext heute immer wieder als Bedrohung für den Arbeitnehmer beschrieben wird, beleuchtet »Hello, Robot.« die aktuelle Debatte um dieses Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Die Bandbreite der Exponate reicht hier vom klassischen Industrieroboter bis zu einer Installation der Gruppe RobotLab, bei der ein Roboter am laufenden Band Manifeste produziert und damit hinterfragt, wo die Grenzen zwischen automatisierbarer Arbeit und menschlicher Kreativität liegt. Der dritte Teil der Ausstellung zeigt, wie uns die neue Technologie noch näherkommt – als »Freund und Helfer« im Alltag, im Haushalt, in der Pflege, als digitaler Kamerad oder gar beim Cybersex. Im vierten Teil geht es um die zunehmende Verschmelzung von Mensch und Robotik, etwa, wenn wir in einem »lernenden« Gebäude leben, uns in einer so genannten »smart city« bewegen oder uns intelligente Sensoren einpflanzen lassen.

Im Außenraum des Museums wird als Ergänzung der Ausstellung der »Elytra Filament Pavilion« gezeigt. Dieser bionisch geformte Baldachin ist ein beeindruckendes Beispiel für den wachsenden Einfluss der Robotik auf die Architektur. Die einzelnen Module werden von einem Algorithmus definiert und anschließend mit Hilfe eines Industrieroboters produziert. Der Pavillon wurde von einem Team der Universität Stuttgart, darunter Achim Menges, realisiert und war bereits am Victoria & Albert Museum in London zu sehen.

Robo Technologies, »Robo Wunderkind«, 2015, © Robo Technologies GmbH

»Hello, Robot.« macht deutlich, dass die Ausbreitung der Robotik seit Jahrzehnten mit Ambivalenz beobachtet wird. Damals wie heute schwankt die Debatte über künstliche Intelligenz zwischen Utopie und Dystopie, zwischen der Hoffnung auf eine bessere, technisierte Welt und der Angst vor einer Entmündigung des Menschen. In diesem Kontext stellt sich auch die Frage nach der Verantwortung von Designern neu.

Die Kontroversen über den richtigen Umgang mit Robotik spiegeln sich auch in 14 Fragen, die leitmotivisch durch die Ausstellung führen. Sie laden die Besucher dazu ein, den eigenen Umgang mit neuer Technologie zu überdenken und vermitteln, dass Chancen und Risiken der Robotik oft nah beieinanderliegen. Denn während die Robotik nahbarer, persönlicher, ja oft unentbehrlicher geworden ist, so bleibt doch die Frage offen: Macht sie unsere Welt besser?

Ergänzt wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Rahmenprogramm aus Talks, Filmvorführungen, Performances und Workshops, die das Thema der Ausstellung aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Das Layout des Ausstellungskatalogs wurde von einem Algorithmus in Zusammenarbeit mit Double Standards, Berlin, gestaltet. Key Visual: Christoph Niemann.

#hellorobot
Das Museum lädt alle Besucherinnen und Besucher ein, Eindrücke und Fotos von der Ausstellung unter den Hashtags #hellorobot und #vitradesignmuseum auf Twitter, Facebook und Instagram zu teilen.

Stephan Bogner, Philipp Schmitt und Jonas Voigt, »Raising Robotic Natives«, 2016 © Jonas Voigt

Die 14 Fragen der Ausstellung

1. Sind Sie schon einmal einem Roboter begegnet?
2. Was war Ihre erste Erfahrung mit Robotern?
3. Glauben Sie, wir brauchen Roboter?
4. Sind Roboter unsere Freunde oder unsere Feinde?
5. Vertrauen Sie Robotern?
6. Denken Sie, Ihr Job könnte von einem Roboter übernommen werden?
7. Möchten Sie selbst zum Produzenten werden?
8. Wie sehr möchten Sie sich auf smarte Helfer verlassen?
9. Wie fühlen Sie sich dabei, dass Objekte Gefühle für Sie empfinden?
10. Glauben Sie an Tod und Wiedergeburt von Dingen?
11. Hätten Sie gerne, dass sich ein Roboter um Sie kümmert?
12. Würden Sie in einem Roboter leben wollen?
13. Möchten Sie besser werden als von Natur her vorgesehen?
14. Tritt der Roboter an die Spitze der Evolution?

Hajime Sorayama, Sony Corporation, »AIBO Entertainment Robot (ERS-110)«, 1999 Privatsammlung, Foto: Andreas Sütterlin

Internationale Kooperationspartner

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Vitra Design Museum, dem MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst, Wien, und dem Design museum Gent. Kuratoren der Ausstellung sind Amelie Klein (Vitra Design Museum), Thomas Geisler, Marlies Wirth (MAK Wien) und Fredo de Smet (Design museum Gent, beratender Kurator). Der Beraterstab umfasst internationale Experten zum Thema Robotik wie Bruce Sterling, Science-Fiction-Autor und Netzaktivist; Gesche Joost, Leiterin des Design Research Lab an der Universität der freien Künste Berlin und Mitglied mehrerer Beratungsgremien der deutschen Bundesregierung zum Thema »Industrie 4.0«; Carlo Ratti, Architekt und Leiter des MIT Senseable City Lab in Cambridge, USA; Sabine Himmelsbach, Medienkunsthistorikerin und Direktorin des Haus der elektronischen Künste Basel; sowie Paul Feigelfeld, Kultur- und Medienwissenschaftler und Koordinator des Digital Cultures Research Lab an der Leuphana Universität Lüneburg.

Beteiligte Künstler (Auswahl)

Woody Allen, Archigram, Asmbld, automato.farm, Hanna Barbera, Philip Beesley, Wafaa Bilal, Francis Bitonti, Björk, Julius Breitenstein, Bureau d’études, Sander Burger, Edward Burtynsky, Dan Chen, Jan De Coster, Douglas Coupland, Daft Punk, Disney/Pixar Animation Studios, Dunne & Raby, ECAL, Tal Erez, Flower Robotics, Vincent Fournier, Yves Gellie, Gramazio & Kohler Research/ETH Zurich, Kevin Grennan, Susanna Hertrich, Höweler + Yoon Architecture, Zan-Lun Huang, Ted Hunt/Luke Sturgeon/Hiroki Yokoyama, IAAC/Vicente Guallart, ICD University of Stuttgart, Interactive Architecture Lab/UCL the Bartlett, Alfredo Jaar, Spike Jonze, Joris Laarman Lab, Floris Kaayk, Friedrich Kiesler, Elizabeth King/Richard Kizu-Blair, Dirk Vander Kooij, Kraftwerk, KRAM/WEISSHAAR, Stanley Kubrick, George Lucas, Greg Lynn, Keiichi Matsuda, MIT Senseable City Lab, Shawn Maximo, Moth Collective, NASA, Next Nature Network, Christoph Niemann, Tatsuya Matsui, Ruben Pater/Gonçalo F Cardoso, Johanna Pichlbauer/Mia Meusburger, Eric Pickersgill, Joseph Popper, Gerard Ralló, Carlo Ratti Associati, RC4/UCL the Bartlett/CurVoxels, Alexander Reben, robotlab, Rafaël Rozendaal, Philipp Schmitt/Stephan Bogner/Jonas Voigt, Takanori Shibata, Masamune Shirow, Hajime Sorayama, Ismael Soto, Bruce Sterling/Sheldon Brown, Superflux, Jacques Tati, Kibwe Tavares, Osamu Tezuka, Anouk Wipprecht, und viele andere.

Das Buch zur Ausstellung

Christoph Niemann, »Robot Morph«, 2016 © Christoph Niemann

Das Buch »Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine« begleitet die Ausstellung und verdeutlicht, wo wir den intelligenten Maschinen schon heute begegnen: in der Industrie, im Militär und im alltäglichen Umfeld; im Kinderzimmer und im Altersheim; in unseren Körpern und in der Cloud; beim Shoppen und beim Sex; in Computerspielen und natürlich in Film und Literatur.

In ausführlichen Essays und Interviews gehen Experten der Frage nach, wie wir damit umgehen, dass unsere Umwelt immer digitaler, smarter und autonomer wird. Sie beleuchten unsere – oft ambivalente – Beziehung zu neuen Technologien und erörtern die ethischen und politischen Fragen, vor die uns die Robotik als Individuen und als Gesellschaft stellt.

Mit Beiträgen und Werken von: Rosi Braidotti, Douglas Coupland, Anthony Dunne & Fiona Raby (Dunne & Raby), Christoph Engemann, Paul Feigelfeld, Gesche Joost, Carlo Ratti, Amelie Klein, Carlo Ratti, RobotLab, Bruce Sterling und vielen anderen.

Das Layout des Buchs wurde von einem Algorithmus in Zusammenarbeit mit Double Standards, Berlin, gestaltet. Coverillustration: Christoph Niemann.

Hello, Robot.
Design zwischen Mensch und Maschine
Herausgeber: Mateo Kries, Christoph Thun-
Hohenstein, Amelie Klein
Softcover
25×19 cm, 328 Seiten
Ca. 250 Abbildungen, hauptsächlich in Farbe
ISBN: 978-3-945852-10-1
Preis: 49,90€

VORTRÄGE / DISKUSSIONEN / PERFORMANCES

Bruce Sterling – Life with Robots
OPENING TALK (EN) | 10. Februar 2017
18 Uhr, Fire Station
Mit seinen Romanen und Erzählungen hat der Science-Fiction-Autor Bruce Sterling den Begriff des Cyberpunk maßgeblich mitgeprägt. Zum Auftakt von »Hello, Robot.« spricht er darüber, wie sich das Leben mit Robotern schon heute auf die Gestaltung unserer Umwelt auswirkt.
Anmeldung: events@design-museum.de

Dunne & Raby – Critical Design and Robotics
TALK (EN) | 16. Februar 2017
18:30 Uhr, Vitra Design Museum
Die britischen Designer und Designwissenschaftler Anthony Dunne und Fiona Raby sind Pioniere des Critical Design. Fiona Raby spricht über ihre Arbeit an der Schnittstelle von Geistes- und Naturwissenschaften, Design und neuen Technologien.

Kuratorenführung »Hello, Robot.«
MITTWOCHSMATINEE (DE) | 29. März 2017
10 Uhr, Vitra Design Museum, 10,00 € pro Person
Wie steht es um die Beziehung zwischen Mensch und Roboter? Die Kuratorin Amelie Klein führt durch die Ausstellung.

Carlo Ratti – Senseable Cities
TALK (EN) | 20. April 2017
18:30 Uhr, Vitra Design Museum
Der Architekt und Ingenieur Carlo Ratti leitet das Senseable City Laboratory am renommierten Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, MA. In seinem Vortrag gibt Ratti faszinierende Einblicke in die Zukunft der digitalen Stadt.

Robo Wunderkind
SPECIAL (DE/EN) | 22./23. April 2017
12 – 16 Uhr, Vitra Design Museum
Die österreichische Firma Robo Technologies wurde für ihr Spielzeug Robo Wunderkind schon in der Crowdfunding-Phase mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Ein Wochenende lang können Kinder und Erwachsene im Vitra Design Museum die Möglichkeiten von Robo Wunderkind selbst erkunden.

Die Zukunft der Arbeit
TALK (DE) | 27. April 2017
18:30 Uhr, Vitra Design Museum
Wie wird unsere Arbeit in Zukunft aussehen und welche Rolle spielt dabei die Robotik? Darüber diskutieren drei Industrie 4.0.-ExpertInnen: Gesche Joost, Leiterin des Design Research Lab an der Berliner Universität der Künste und Vertreterin der Bundesregierung zu Fragen der Digitalen Agenda in der EU-Kommission, Technikphilosoph Bruno Gransche, der am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe tätig ist, und Ruwen Kaminski, Leiter Corporate Brand and Design bei dem führenden Automatisierungsunternehmen Festo.
Achim Menges – »Hello, Robot.« – »Hello, Architect!« Entwurfsdenken im Zeitalter des robotischen Bauens
TALK (DE) | 4. Mai 2017
18:30 Uhr, Vitra Design Museum
Achim Menges, Gründer und Leiter des Institute for Computational Design an der Universität Stuttgart, gilt als ein Vorreiter im Bereich der robotisch unterstützten Architektur. In seinem Vortrag spricht Menges über seine Bauten und über die Rolle der Robotik in der Architektur.

Robopop
SPECIAL (DE/EN)| 5. Mai 2017
18:30 Uhr, HeK (Haus der elektronischen Künste)
Am DJ-Pult oder als ganze Band: Drei Roboter-Acts spielen ihre Musik.

WORKSHOPS

Hello, Robot!
KINDERFÜHRUNG (DE) | 19. Februar, 19. März, 16. April, 14. Mai 2017
14:30 Uhr, Vitra Design Museum
Die Kinder entdecken in der Ausstellung die unterschiedlichsten Roboter und Maschinen. Im Anschluss bauen sie ihre eigenen Roboter, die sich selbst fortbewegen können. Für Kinder von 6 – 12 Jahren, 7,00 € pro Kind, Anmeldung: info@design-museum.de

Solar Sound Bot – Es zwitschert!
WORKSHOP (DE) | 25. Februar 2017
12 – 16 Uhr, Vitra Design Museum
Wolltest du schon immer einen eigenen Roboter bauen? In diesem Workshop bauen wir eine Maschine, die Vogelstimmen nachahmt. Nach einem Ausstellungsrundgang werden die Zwitschermaschinen von den Teilnehmern zusammengelötet und mit Solarzellen versehen. Eine Kooperation mit dem HeK (Haus der elektronischen Künste) Basel. Für Jugendliche ab 12 Jahren, 10,00 € pro Person, Anmeldung: info@design-museum.de

Robodance
WORKSHOP (DE) | 2. April 2017
14 – 17 Uhr, HeK (Haus der elektronischen Künste) Basel
Die Balance halten wir ohne darüber nachzudenken. Aber wie bringt man das einer Maschine bei? Wir bauen einen Roboter, der balanciert und dabei tanzt. Eine Zusammenarbeit mit der SGMK (Schweizerische Gesellschaft für mechatronische Kunst). Für Kinder ab 7 Jahren und Erwachsene.
30,00 CHF / ermäßigt 15,00 CHF pro Person (zzgl. Materialkosten). Anmeldung: vermittlung@hek.ch

DIY Robots
WORKSHOP (DE/EN) | 6. Mai 2017
10 – 18 Uhr, Schaudepot
Schon als Jugendlicher war der Designer Jan de Coster fasziniert von Physik, Science-Fiction und davon, Dinge zu »hacken«. Neben der Arbeit in seinem Studio Slightly Overdone führt er heute Workshops durch, in denen es um das Entwickeln und Gestalten eines Roboters geht. Für Jugendliche von
13 bis 18 Jahren, 20,00 € pro Person (inkl. Materialkosten), Anmeldung: info@design-museum.de

Allgemeine Informationen

Titel: Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine
Kuratoren: Vitra Design Museum Amelie Klein, Kuratorin  Erika Pinner, Kuratorische Assistenz  MAK Wien Thomas Geisler, Marlies Wirth

Design museum Gent Fredo de Smet (beratend)
Ort: Vitra Design Museum | Charles-Eames-Straße 2 | 79576 Weil am Rhein

Dauer der Ausstellung: 11. Februar 2017 – 14. Mai 2017, Eröffnung: 10. Februar 2017, 18 Uhr
Öffnungszeiten: täglich von 10 – 18 Uhr

Weitere Informationen: www.design-museum.de
T +49.7621.702.3200

E info@design-museum.de
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