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Wetter.de in neuem Design

2. Okt 09 – 10:35
Thema: Relaunchs
Von

5

wetter.de 2008 und 2009

Ich hätte heute gerne mal eine wohlwollende Rezension einer Website verfassen wollen, und würde mir wünschen, hin und wieder mal echte Perlen entdecken zu können. Doch die meisten Redesigns der letzten Tage waren leider sehr ernüchternd. Eben so ernüchternd, wie nun der neue Auftritt von Wetter.de.

Ich fühle mich direkt an zwei ältere Beiträge erinnert, als ich gesehen habe, das RTL seinem Wetterangebot im Internet ein neues Look&Feel verpasst hat. Zum Einen an die Vorstellung des »ZDF Wetterwissen« ( vom 13. September 2009), bei dem auch Wetter.de eine Erwähnung fand, als auch an »Neues Logo für RTL Interactive« ( vom 16. Juli 2009). Vor allem der letzte Beitrag bescheinigte ja bereits ein latentes Unvermögen der Mediengruppe in Sachen Design.

Aber in wie weit RTL nun selbst für das Redesign von Wetter.de verantwortlich zeichnet, war leider bis zur Erstellung dieses Beitrags nicht zu ermitteln, scheinbar aber RTL Interactive selbst. Das die Mediengruppe nun rein visuell offenbar derzeit wenig dazu lernt ist schade. Wäre doch auch hier das Potenzial – rein finanziell gesprochen – erheblich. Die Beauftragung einer Design-Agentur zur Umsetzung zielgesteuerter Benutzerführung und ansprechender Außenwirkung wäre sicherlich wünschenswert. Hier gilt der vergleichbare Ansatz, wie in dem Fazit zu »ProSieben stirbt im Internet« (einer, der selbst mal einen meteorologischen Dienst leitete.

Zu viele Linien und uneinheitlich gesetzte Elemente auf Wetter.de

Zu viele Linien und uneinheitlich gesetzte Elemente auf Wetter.de

Das Design der Seite allerdings ist ein echter Rückschritt in Sachen moderner und benutzerfreundlicher Darstellung. Wie immer nach links an den Bildschirmrand verbannt findet sich eine statische, rasterhaltige Grundgestaltung wieder, die derart flau und halbherzig umgesetzt wurde, dass ich mich mal wieder fragen muss, wer hier das Zepter in der Hand hielt. Die Seite erscheint auf den ersten Blick den ersten Gehversuchen eines angehenden Programmierers mit etwas grafischem Gespür entsprungen zu sein. Darüber täuschen leider auch die an sich ansprechenden Flash-Elemente und Videos hinweg.

Der Content wurde in weiße Kästen verbannt, eingezwängt durch harte Kanten auf hellblauem Hintergrund. Farbkontraste waren bislang eine Stärke von Wetter.de. Sie bleiben nun vollends auf der Strecke. Unterstützt wird das starre Raster durch Leisten neben, ober- und unterhalb des Hauptfensters, die wiederum selbst Raster enthalten. Die Topnavigation ist visuell so starr, wie eine Navigation nur sein kann, die ewig gleiche Anordnung der Bildinformationen links schafft es nicht, Aufmerksamkeit zu erlangen.

Blättert man auf Unterseiten wird dieser harte Kasten-Eindruck zum Teil noch verstärkt, da offenbar Filme, die zuvor auf dem blauen Hintergrund der Vorgängerseite mit dem Inhalt verschmolzen sind, eins zu eins nun in den weißen Kasten der Mitte übernommen wurden. So entstehen zeitweise mehrere Doppellinien nebeneinander, die den Fokus stören und von den eigentlichen Informationen ablenken.

Im Grunde wundert es mich sehr, dass meteorologischen Angebote nach wie vor im Internet so unattraktiv vermittelt werden müssen. Scheinbar ist es unrelevant, da hierbei kaum ein Angebot diesen Trend zu durchbrechen vermag. Wetter ist ein grundchaotisches System, doch die Gestalter versuchen, diesen Charakter nicht mitzunehmen, sondern die Informationen in starre Bahnen zu sperren, das Wetter zu zähmen, könnte man meinen.

In meinen Augen funktioniert das ebenso wenig wie in freier Natur. Der Mensch ist dem Wetter ausgesetzt und sollte sich vielleicht bei der Gestaltung entsprechender Informationen ebenso lenken lassen. Die neue Seite von RTL lässt mich jedenfalls annehmen, dass es hier kein Verständnis für das Thema an sich gibt. Die Informationen wurden in Kästen verbannt, wo sie wahrscheinlich einen vornehmlich geringen administrativen Aufwand nach sich ziehen. Ja selbst Werbeanzeigen vom Content zu unterscheiden wird schwierig. Sicherlich war auch das so gewollt.

Und so sagt auch Matthias Büchs, Mitglied der Geschäftsleitung RTL interactive und als Bereichsleiter verantwortlich für den Online Bereich:

Wer sich im Internet über das Wetter informieren möchte, erwartet verlässliche Daten und die bekommt er schon seit vielen Jahren bei unserem Qualitätsportal wetter.de. Wir freuen uns, dass wir […] mit dem neuen wetter.de den Nutzern einen noch besseren, übersichtlicheren und schnelleren Service anbieten können. Die stärkere Integration von Bewegtbild liefert nun auch unseren Werbepartnern eine noch bessere Möglichkeit, unser Publikum zu erreichen.

Man könnte nun noch weiter alle Einzelheiten des Angebots unter die Lupe nehmen, hin und wieder die schicken Animationen loben, dafür Lesbarkeiten – beispielsweise bei der Europa-Vorhersage – oder auch die blasse, unkonkrete Gestaltung der Navigation kritisieren. Natürlich könnte man auch die ein oder andere technische Unzulänglichkeit der Applikationen bemängeln (klicke zum Beispiel mal auf Tromsö in der Europakarte) oder anmerken, dass Weißräume häufig uneinheitlich gewählt wurden, dadurch die Seite noch unharmonischer wirkt, als durch das Kastige an sich. Der erste Eindruck bleibt aber auch so bestehen: Schade, hier wäre mehr drin gewesen …

wetter.de

5 Kommentare

  1. Designbote sagt:

    Neuer Beitrag: »Wetter.de in neuem Design« http://bit.ly/LRjvQ

  2. Designbote sagt:

    Update: »Wetter.de in neuem Design« http://bit.ly/LRjvQ #RTL

  3. H.U.Anderer sagt:

    Eine Internetpräsenz wie wetter.de gehört aufgrund der simplen Domain zu den am häufigsten angeklickten Websites in Deutschland, wenn es um Sonnenschein, Regen oder Schnee geht. Als ich vor Jahren nach einer entsprechenden Seite suchte, habe ich intuitiv wetter.de eingegeben … und bin dabei geblieben.

    Auch ich hätte mir ein benutzerfreundlicheres Redesign der Website gewünscht. Dass dabei die Grenzen zwischen geschalteter Werbung in Form von implementierten Bannern und tatsächlicher Wetterinfo verwischt werden, halte ich für den Hauptkritikpunkt.
    Wie Florian schon erwähnt hat, scheint dies wahrscheinlich gewollt zu sein, allerdings bezweifle ich, dass dies im Sinne von RTL-Interactive Früchte trägt. Es macht natürlich Sinn, auf einer Seite mit sehr vielen Klicks entsprechend Werbung zu schalten, aber schön ist anders!

    So muss man eben weiter ausharren und warten, bis endlich schöne Applikationen im Netz auftauchen werden, die einem sogar ein Lächeln abringen, wenn es heißt: Anhaltend strömender Regen, 2 Grad Celsius, keine Besserung in Sicht …

  4. [...] Wetter.de in neuem Design [...]

  5. [...] von ProSieben (Design Bote vom 28. September 2009), dann das katastrophale Redesign von Wetter.de (Design Bote vom 2. Oktober 2009) – ebenfalls aus dem Hause RTL – und nun die Website des Privatsenders, der nach der [...]

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