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Die Toilette der Zukunft

20. Nov 08 – 9:01
Thema: Design-Konzepte // Produkt- und Industriedesign
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design blogAnfang Oktober berichteten wir über den Design-Wettbewerb “Das WC der Zukunft“, nun stehen die Gewinner fest und unserer Meinung nach hat die Jury gut gewählt! Vor hundert Jahren war das Plumpsklo Standard. Heute ist die Wassertoilette in verschiedensten Formen und Einbindungen „state of the art“. Doch wie und mit welchem ökologischen Anspruch werden die Toiletten in 50 Jahren aussehen? Dieser kreativen Herausforderung stellten sich Designstudenten von über 90 Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Teilnehmen konnten Studenten Design orientierter Fachrichtungen wie Produktdesign oder Architektur.

Die Fachjury unter dem Vorsitz von Andrej Kupetz, Direktor des Rates für Formgebung/German Design Council, Frankfurt a.M., dem Produktdesigner Diplom-Ingenieur Michael Schmidt, code.2.design, Stuttgart, und Prof. Paolo Tumminelli von der International School of Design, Köln, war sich in ihrem Votum einig:

“Komposttoilette” von Ronja Scholz

Platz 1 (dotiert mit 3.000,- Euro) für das Konzept „Komposttoilette“ ging an Ronja Scholz (23) aus Darmstadt, Designstudentin der Hochschule Darmstadt.

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Formal beeindruckt mich die Schlichtheit des Entwurfs. Die Auseinandersetzung mit dem ökologischen Thema (weniger Wasserverbrauch) ist überzeugend gelöst. Man sieht, dass sich die Designerin mit dem Thema in seiner ganzen Breite beschäftigt hat und dennoch zu einer klaren und einfachen Lösung kommt.

“crystal flowers” von Eva-Maria Brunnauer

Platz 2 wurde zweimal vergeben (dotiert mit 2.000,- Euro), einmal für das Designkonzept „crystal flowers“ von Eva-Maria Brunnauer (30) aus Innsbruck, Architekturstudentin an der Leopold Franzens Universität Innsbruck.

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Toilette als Raum der öffentlichen Interaktion mag gewagt sein, doch die untergeordnete Funktionalität als Erdenspender verleiht diesem mutigen Entwurf eine wahrnehmbare Kraft und vor allem gibt es ihm einen subversiven Charakter jenseits des nur „Schönen“ bzw. „Funktionellen“.

“Pee-Tree” von Joa Herrenknecht

Platz 2 wurde zweimal vergeben (dotiert mit 2.000,- Euro), einmal für das Designkonzept „Pee-Tree“ von Joa Herrenknecht (28) aus Karlsruhe, Designstudentin der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

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Der Entwurf beschäftigt sich auf ironische und angenehme Weise mit einem akuten Problem, nämlich der Vergiftung lebender Bäume durch männlichen Urin. Hier wurde sehr gelungen für das Thema „Pinkeln an Bäumen“ ein Code definiert. Der Entwurf hat die Anmutung eines Baumes, ist aber aus einem anderen Material: Keramik. Auf diese Weise wird angeregt, das Verhalten der Männer generell zu verändern.

Meinung

Unser persönlicher Gewinner ist der “Pee-Tree” von Joa Herrenknecht, der das Thema des Zewa Soft Design Award 2008 sehr augenzwinkernd und hochästhetisch (erinnert sehr an arbeiten von Luigi Colani) aufnimmt und wiedergibt.

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Ich glaube nicht, dass Männer in Zukunft nun unbeschwerter öffentlich pinkeln würden – aber die Mischung aus Kritik am männlichen Habitus des “an den Baum pinkelns” sowie der Vergiftung der getroffenen Bäume und des ironischen Abbildes eines keramischen Baumes mit Auffangschale ist so einfach, dass sie schon wieder genial ist! Großartig, Joa!

Links

Website des Zewa Soft Design Award 2008
Website von Joa Herrenknecht

2 Kommentare

  1. Ja Kack die Wand an. Machen die sich Gedanken um unwichtige Dinge.

  2. Adriana sagt:

    Hi Flo,

    ich kann deine Meinung leider so nicht stehen lassen, denn schon immer haben sich Produkt-Designer Gedanken auch um so etwas wie “unwichtige Dinge” gemacht – und auch das ist eben ihr Job!

    Wir würden heute alle nicht auf ergonomischen Sitzgelegenheiten unser Geschäft verrichten, gäbe es diese Zunft nicht, sondern würden unter Umständen nach wie vor Donnerbalken oder Vergleichbares verwenden.

    Doch glücklicher Weise gab es schon immer Menschen, die selbst den Fäkalien unseres Lebens Aufmerksamkeit geschenkt haben und uns den Umgang mit ihnen doch ästhetischer gestaltet haben.

    Ich bin begeistert von der Kreativität, vor allem von Joa Herrenknecht – schade, dass es solche Lösungen nicht häufiger gibt.

    Nichts für ungut – Viele Grüße,

    Adriana

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